Von Utah nach Arizona

Den Arches Nationalpark haben wir in vollen Zügen genossen. Auf dem Hwy 191 geht es 75 Meilen durch eine nahezu unbewohnte Einöde weiter nach Süden bis Blanding. Im Visitor Center erkunden wir uns nach der Befahrbarkeit des Moki Dugway. Der Angestellte gibt grünes Licht, die Schotterstraße ist gut zu fahren. Wir müssen nur noch einen älteren Veteran loswerden der ein Loblied auf  den jetzigen Präsidenten singt. Es dauert eine Weile bis er unser stummes Desinteresse richtig deutet und sich verabschiedet. Hinter Blanding verlassen wir den Hwy, biegen auf die Utah State Route 95 um dann irgendwo im Niemandsland auf die Natural Bridge Road zu stoßen. Der Dicke leistet Schwerstarbeit. Es geht nur nach oben, langsam aber stetig. Das erste Gebäude das wir sehen ist das Natural Bridge Visitor Center. Der etwas weiter abgelegene Campingplatz ist ein Traum, mit großen Parzellen und top gepflegt. Die Sanitäranlagen, sind ohne Dusche aber anscheinend neu. Der ideale Platz um zu faulenzen und nicht zu wandern. Lediglich ein Spaziergang zur Visitor Information ist noch drin. Abends kommt die Rangerin zum Kassieren und warnt uns vor einen Sturm, der allerdings nicht kommt. 

Wir müssen die Natural Bridge Road bis zum Abzweig zum Hwy 261 zurückfahren und stehen nach nicht mal einer Stunde an der Abbruchkante der Cedar Mesa, die fast senkrecht 330 Meter abfällt. Vor uns in der Tiefe liegt das Valley of the Gods. Mit 11 % Gefälle auf einer knapp 5 Km langen Schotterstraße ist der Moki Dugway bei guten Witterungsbedingungen auch für Wohnmobile geeignet. Für Mietfahrzeuge ist der Weg allerdings nicht erlaubt. Warum auch immer. Mit 5 MPH, ich muß Silvia nicht mal daran erinnern langsam zu fahren, geht es Serpentine um Serpentine nach unten. Der einzige Aussichtspunkt ist von Bikern bevölkert und es kommen immer mehr von unten herauf. Wir halten rechts an und lassen sie an uns vorbeiziehen. Leider ist die Sicht alles andere als gut trotzdem ist die Fahrt für uns ein Highlight. Beim Anblick des weit vor uns ausgebreiteten Valley of the Gods tauchen Bilder von Trappern und Indianern auf. 

Im Goosenecks State Park, direkt an der Mäander des San Juan River wollen wir eigentlich übernachten. Es ist Mittag, wir stehen in der prallen Sonne und das Auto heizt sich mehr und mehr auf. Ich backe zwar einen Kuchen aber verzehren werden wir ihn hier nicht mehr. Wir ahnen Böses als ein Bus ankommt. Zum Glück keine Asiaten nur Niederländer, Schweizer und Deutsche. Wir brechen den Aufenthalt ab und suchen uns ein schattiges Plätzchen zum Übernachten. Der Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt aber jetzt erst mal weg. Vor uns liegt das Monument Valley. Ich sehe vor meinem geistigen Auge schon Tom Hanks auf der Straße laufen im Vordergrund die beeindruckenden roten Tafelberge. Tom Hanks sehe ich nicht und auch nicht die Tafelberge. Sie verstecken sich im Regen und Nebeldunst. Jawohl es regnet. Ausgerechnet hier. Die Sicht ist grottenschlecht. Keine Sicht, keine Fotos. 

Das Monument Valley ist eine Ebene auf dem Colorado Plateau und liegt innerhalb der Navajo-Nation-Reservation. Die Verwaltung obliegt einzig den Navajos und ist daher kein staatliches Schutzgebiet. 

Früher war alles anders und besser. Diese ansonsten zweifelhafte Aussage trifft meiner Meinung nach auf das Monument Valley zu. Damit meine ich nicht die einzigartige Landschaft sondern das Drumherum. Bei meinem ersten Besuch vor 40 Jahren gab es keine Einschränkungen für den Park. Heute stehen wir am Kassenhäuschen und müssen nur für die kurze Fahrt zum Visitor Center eine Gebühr von 20 $ zahlen. Dabei ist die Fahrt durch den eigentlichen National Park für Wohnmobile nicht gestattet. Wir dürfen also nicht weiter. Der Blick auf die Tafelberge wird vom lang gestreckten übergroßen Visitor Center und dem angegliederten Hotel verdeckt. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen zu groß. Auch der Regen tut sein übriges und wir sehen von einer Jeeptour ab. Ich könnte mir ja ein ruhiges Plätzchen suchen und ein wenig von Cowboy und Indianer träumen, aber das gibt es hier nicht. Wir begnügen uns mit dem was wir von der Terrasse und der Straße aus sehen und das ist immer noch sehr imposant. Die Preise haben es in sich. Das Goulding Monument Valley Camp macht da keine Ausnahme. Der mit Abstand teuerste Platz bislang liegt etwas oberhalb des Ortes aber ohne einen ungehinderten Blick auf das Monument Valley.

127 Meilen bis Page über Hwy 163 und 98. Auf der gesamten Strecke passieren wir lediglich 3 Ortschaften wobei Kayenta mit ca. 5000 Einwohnern die größte ist. Es gibt einen Airport,  etliche Hotels und ansonsten nur schlichte Holzbaracken. Zusammen mit der Wüstenlandschaft ein insgesamt trostloser Anblick. Dazu passt heute auch noch das Wetter. Wir erleben einen Temperatursturz mit sage und schreibe 15 °, dazu kräftiger Regen. Unsere erste Fahrt durch den Bundesstaat Arizona fängt ja gut an. Wir verpassen aber nichts. Der Kontrast zu Utah könnte nicht größer sein. Um uns herum nur kleinwüchsige Sträucher und einige trockene Bäume, alles ist grau in grau. Nach dem Abzweig auf den Hwy 98 führen lediglich vereinzelt Schotterwege zu einsam gelegenen Behausungen. Wir fragen uns wovon die Menschen hier leben. An der einzigen Bucht mit Parkmöglichkeit machen wir eine Kaffeepause. Vor uns auf dem Boden liegen zahlreiche Patronenhülsen und leere Alkoholflaschen. Zumindest kennen wir jetzt einen Zeitvertreib der in dieser Umgebung lebenden Menschen. 

Das erste was wir von Page sehen sind die riesigen Schlote des Kohlekraftwerkes. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Antilope Canyon, wo wir uns einen Überblick über Touren und Preise machen. Wir entscheiden uns für eine Tour durch den Upper Antilope Canyon wo am Mittag, vorausgesetzt die Sonne scheint, sogenannte Beams zu sehen sind. Die Bedingungen sollen morgen dafür gut sein. 

Wir lassen Page erst mal links liegen und begeben uns zu der Hoseshoe Bend etwas südlich der Stadt. Einen Parkplatz finden wir, den Weg zur Horseshoe Bend dank der unzähligen Touristen auch, wir müssen ihnen nur folgen. Der 1 Km lange Weg ist mal sandig, mal steinig, das Ende an der stehenden Menschentraube vor uns zu erkennen.  Asiaten, nichts als Asiaten. Nein, wir haben nichts gegen Asiaten, nur wenn sie so geballt anzutreffen sind. Uns geht es nicht alleine so. Jedes mal wenn wir auf sie treffen ist es extrem laut, es wird geschubst und gerempelt, keine Rücksicht beim Fotografieren genommen und sie laufen ständig durch das Bild. Selfies mit Schmollmund und aufreizenden Posen bei den Jüngeren Leuten. Zuerst ein Gruppenfoto und im Anschluß daran darf jeder einzeln auf das Bild. An der Abbruchkante halten wir aus zweierlei Gründen einen Sicherheitsabstand ein. Zum Einen weil es steil nach unten geht und zum Anderen wollen wir den asiatischen Mitmenschen nicht zu nahe kommen. Auf dem Rückweg beobachten wir das vor uns gehende ältere Pärchen und können nur noch schmunzeln. Sie mit Sonnenschirmen, großem Hut, Handschuhen, Schal vor dem Gesicht vorne weg und er mit Kamera hinterher. Er gibt kurze Laute die sich wie "hah" anhören und sie bleibt abrupt in der Bewegung stehen und verharrt so. Er macht das Foto. So geht es eine ganze Weile. Wir haben es selber ausprobiert. Ist gar nicht so einfach den Bewegungsablauf  zu stoppen und ohne wackeln stehen zu bleiben. Genug gelästert.

Wir stehen also an der Abbruchkante auf 1300 Meter Höhe und 300 Meter tiefer fließt der dunkelgrüne Colorado River. Die Mäander des Colorado ist noch beeindruckender als die des San Juan River in Utah.

Wir übernachten zentrumsnah bei Walmart, kaufen ein und gehen in die Stadt, die allerdings nichts Besonderes zu bieten hat. 

Der nächste Tag. Via Skype Geburtstagsgrüße ausrichten und dann ab zum Upper Antelope Canyon. Heute haben wir die besten Voraussetzungen zumindest was das Wetter angeht. Wir bekommen einen Termin zur gewünschten Prime Time, wo wir mit einigen Beams rechnen dürfen.  Jetzt heißt es warten. Pick up um Pick up vollgepackt mit Touristen machen sich auf den Weg Richtung Canyon. 15 Minuten vor uns wird die Fotografen Gruppe ausgestattet mit Stativ (Vorschrift) und Kameraausrüstung zum Canyon gebracht. Die Tour dauert länger, ist aber auch viel teurer. Wir sind als Nächste dran und stehen mit den anderen Besuchern im Pulk zusammen. Nach und nach werden die Namen aufgerufen. Gut daß ich wie immer Ewers angegeben habe und nicht wie Silvia wollte, den Allerweltsnamen Maria. Mit einer Liste in der Hand steht eine Angestellte vor uns und los geht's. 

" Leo 2 in Party, zwei treten vor. Brad 2 in Party, 2 treten vor. Mike 4 in Party, 4 treten vor. Maria 2 in Party 6 preschen vor. Gut daß ich Ewers angegeben habe. Pauline 2 in Party, 2 treten vor. Dann eine Pause. Die Angestellte bewegt stumm die Lippen. Wir ahnen was kommt und schauen uns grinsend an. Schon ertönt das bekannte: "i,dabbelyu, i, a, s". (Ewers) 2 in Party. Silvia, das sind wir, wir treten vor. Ein Pick up mit 14 Personen mal 6 macht wie viel? Zu viel. Auf der 15 minütigen Fahrt über die Sandpiste werden wir durchgerüttelt und schlucken den aufgewirbelten Staub der vor uns fahrenden Autos. Vor dem Eingang zum Canyon gibt es eine Einweisung. Jedes Fahrzeug hat einen eigenen Führer. Wir sollen rechts entlang hinein und auf dem Rückweg wieder rechts entlang heraus gehen.  Der Eingang sieht unscheinbar aus aber das ändert sich sobald wir erst einmal im Canyon sind. Der Canyon ist der Knaller. Das Problem ist nur, er ist rappelvoll. Es bleibt kaum Zeit um in Ruhe ein Foto zu machen. Wir werden von den Aufpassern vorwärts getrieben. Schnell, schnell. Weiter, weiter. Hier ein Kopf im Bild, dann eine Hand. Es folgt der Ruf right Lane, please. Ellenbogen ausweichen, Kopf einziehen. Zack zack. Die arme Fotografengruppe. Sie haben viel Geld bezahlt und keine Möglichkeit in Ruhe zu arbeiten. Wir laufen an ihnen vorbei in den Canyon hinein während andere an uns vorbei aus dem Canyon heraus gehen. Es wird meistens nach oben fotografiert. Nackensteife und Schwindel sind die Folge. Mein Gott, hier möchte ich einmal ganz alleine nur 1 Stunde verbringen. Je nach Lichteinfall gibt es immer andere faszinierende Farbspiele. Die Beams, in deren Licht der aufgewirbelte Staub leuchtet, sind phantastisch. Der Canyon ist so unwirklich, irgendwie mystisch. Das Spektakel dauert ungefähr 75 Minuten und hat sich trotz der widrigen Umstände auf jeden Fall gelohnt. Gut daß alle Besucher mit den gleichen Problemen wie wir zu kämpfen hatten.

Der Lake Powell ist ein Eldorado für alle Wasserfreunde. Er entstand Mitte der 1960 Jahre durch Aufstauen des Colorado River. Leider sinkt der Wasserspiegel wegen verstärkter Wasserentnahme in den letzten Jahren ständig. Eigentlich wollen wir am Lowe Camp noch eine Übernachtung einlegen aber der sandige Boden macht uns einen Strich durch die Rechnung und wir stehen wieder bei Walmart. Ich sortiere mein Portmonee und finde rein zufällig die langgesuchte Aldi Sim Karte hinter der Roger Karte fixiert. Zig mal haben wir das Auto nach dieser dämlichen Karte abgesucht und nicht gefunden. 

Wo wir schon mal in der Nähe sind schauen wir uns den Grand Canyon doch an. Sind nur 109 Meilen. Am Little Colorado River Navajo Tribal Park unterbrechen wir die Fahrt, zahlen am Kassenhäuschen einen freiwilligen Obulus und schauen uns die wenigen Verkaufsstände der Navajos an. Der Little Colorado River ist nahezu ausgetrocknet. Auf dem Desert View Drive, Hwy 64, geht es an leerstehenden Verkaufsständen schnurstracks weiter zum Desert View Campground.

Der Grand Canyon hat eine Länge von 446 Km und ist durchschnittlich 16 Km breit. Wir befinden uns auf der Ostseite des Parks, in der Nähe des Desert View Watchtower. Wieder einmal sind wir begeistert von der tollen Lage des Platzes, der keine Wünsche offen läßt. Es sei denn man wünscht Kompfort. Nach 10 minütigem Fußmarsch, vorbei an einer Tankstelle, Picknickplatz und Imbiss, es ist an alles gedacht, stehen wir vor dem Grand Canyon und betrachten sprachlos dieses Naturwunder. Das einzige Adjektiv was diesen Ort beschreiben könnte heißt für mich: unbeschreiblich. Wir gehen auf den Turm und schauen uns die Ausstellung an. Im Camp treffen wir auf einen Deutschen der überwiegend in USA lebt und erhalten den Tip wenn möglich das Ballonfestival in Albuquerque zu besuchen. Pünktlich zum Sonnenuntergang stehen wir wieder am Canyon. Die Felsen leuchten glutrot in der Sonne. Unten im Tal schlängelt sich der Colorado und wir sitzen gedankenverloren auf einem Baumstamm und lassen die Abendstimmung still bis zum Einbruch der Dunkelheit auf uns einwirken. 

Über die S Entrance Road erreichen wir auf unserer Fahrt Richtung Grand Canyon Village etliche der Viewpoints, jedoch dürfen nicht alle mit dem Auto angesteuert werden. Zu einigen Aussichtspunkten gelangt man nur mit einem Shuttle Bus. Auf dem South Rim Trail wandern wir zu den Viewpounts bis uns die Füße schmerzen. Immer wieder ändert sich das Farbenspiel je nach dem welche Lichtverhältnisse herrschen. Je weiter wir uns vom Village entfernen um so weniger Touristen. Wir müssen den gleichen Weg irgendwann zurück und entdecken immer wieder etwas Neues, vorher nicht Gesehene. 

Auch der Grand Canyon bzw. das Umfeld hat sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert. Kein Vergleich zu vor 40 Jahren. Dafür scheint der Canyon selber der gleiche geblieben zu sein. Ob es so bleibt ist die Frage, denn man spricht über eine Hotelanlage die in die Felswände des Grand Canyon hineingebaut werden soll. Wir hoffen daß es dazu nicht kommt. Der Stamm der Navajos weiß allerdings womit er viel Geld verdienen kann. Der Grand Canyon Skywalk liegt 241 Meilen westlich, fast eine Tagesreise entfern. Da uns diese Art von Tourismus nicht interessiert kommen wir auch nicht in Versuchung dort hin zu fahren. Stattdessen geht die Reise weiter nach Süden und wir landen in Flagstaff.