Die Rockies

Die Rockies mit dem Banff und Jasper NP sollten für uns ein letzter Höhepunkt in Kanada werden. Wir waren aber wohl zum falschen Zeitpunkt dort. Wir nähern uns Banff auf dem Hwy 1 von Calgary und sind von 2 Meter hohen Maschendrahtzäunen umgeben. Für die Tiere hat man, wie nett, Wildbrücken errichtet. Banff ist völlig überlaufen, Geschäft an Geschäft, Preise jenseits von Gut und Böse. Alles ist nur auf Tourismus und schnelles Geld verdienen ausgerichtet. Die Atmosphäre, die Silvia vor Jahren noch erlebt hatte ist verschwunden.

Die Fahrt auf der 1 A zum Lake Louise hat uns wenigstens noch etwas entschädigt. Wir haben nicht das Gefühl eingesperrt zu sein.

Doch wir empfinden Lake Louise Village noch schlimmer als Banff. Wohin wir schauen Busse, Autoschlangen und Menschenmassen. Der Verkehr wird von Ordnern geregelt. Die Strassen zum Lake Louise und Lake Moraine sind schon in den frühen Morgenstunden wegen Überfüllung der Parkplätze gesperrt. Laut Berichten ist es bei den Wanderungen nicht anders. Man schwimmt mit der Menschenmenge. Einzig bei einer Kanutour auf dem Lake kann man den Massen entfliehen. Kosten 75 $ die Stunde.

Wer wie wir die Weiten und die Einsamkeit Kanadas erlebt hat, bekommt erst einmal einen Schock. Wie schön war es doch auf leeren Straßen zu fahren und an einsamen Plätzen zu übernachten und nachts nur Besuch von Bären zu bekommen. 

Erst als wir dem Touristenrummel entflohen sind können wir die Schönheit der Rockies genießen. Ein Höhepunkt folgt dem Anderen. Wir können leider nicht überall halten, dafür unternehmen wir einige Wanderungen oder lassen es uns an einem See gut gehen.

 

Auf dem Icefields Parkway geht es weiter zum Bow Lake. Auf einer 4,5 Km langen Wanderung geht es zunächst am Wasser entlang. Nach der Schlucht steigt der Weg steil an.  provisorische Stufen, wie für Riesen gemacht, sind für kleinere Leute wie mich eine Herausforderung. Am höchsten Punkt haben wir einen tollen Blick auf den Bow Gletscher und den gleichnamigen Wasserfall. Wir sind aber nicht alleine hier oben, Schwärme von Mücken peinigen uns und wir treten so schnell wie möglich den Rückweg an.

Die Nacht verbringen wir wieder am Columbus Gletscher. Leider dürfen wir nicht auf dem Platz direkt am Gletscher übernachten, sondern müssen auf den offiziellen Parkplatz.

Am nächsten Tag schauen wir uns den Sunawapta Wasserfall an und unternehmen eine Wanderung im Valley of the 5 Lakes.

Auf der 7 Km langen Strecke reiht sich ein See an den Anderen. Eine einfache Tour die lediglich zum Schluss einen kleinen Anstieg hat.

 

Wieder in Jasper. Dieses mal kein Smog, sondern freie Sicht auf die Berge. Der Ort gefällt uns, auch wegen der Beschaulichkeit, besser als Banff. Dieses mal ist auch der Sharing Campground voll und wir weichen auf den Overflow  einige Meter weiter aus. 

Am späten Nachmittag nehmen wir die 42 Km lange Strecke zum Maligne Lake in Angriff. Uns bleibt noch etwas Zeit auf dem Mary Schäfer Loop Trail am See entlang zu wandern. Für 95 $ kann wer will sich mit dem Boot zum Spirit Island bringen lassen. 1 Std. Kanu leihen kosten stolze 75 $, eine Tagesmiete Doppelkanu 225 $. Wir verzichten gerne.

Auf der Maligne Road sehen wir die Auswirkungen des Waldbrandes von 2015. Der 6 Km lange Medicine Lake weist eine geologische Besonderheit auf. Er hat keinen sichtbaren Abfluß, sondern wird durch ein unterirdisches Drainagesystem aus Karsthöhlen be - und entwässert. Dadurch ist der See im Winter häufig trocken und füllt sich erst wieder mit der Schneeschmelze.

Am Anfang der Maligne Road liegt der Maligne Canyon. Bei einer Wanderung überqueren wir auf 5 Brücken den Canyon.

Nach der 1. Brücke geht es auf vielen Stufen steil bergab. An der 3. Brücke hat die Schlucht den tiefsten Punkt erreicht. Die enge Schlucht bietet besonders von den Brücken einen Blick in die Tiefe. An einigen Stellen verschwindet das Wasser und verläuft unterirdisch weiter. Wir sind hinunter gelaufen und müssen den gleichen Weg wieder hinaufgehen. Bei 32 Grad eine schweißtreibende Angelegenheit. Besonders für mich.

Eigentlich wollen wir am Medicine Lake auf einem kleinen Wanderparkplatz übernachten. Unser betrunkener Nachbar hat uns aber eines Besseren belehrt und wir nehmen davon Abstand. Stattdessen geht es wieder auf den Overflow nach Jasper.

Vor 4 Wochen waren wir schon einmal hier. Bedingt durch die Waldbrände war der Mount Robson im Smog nur schemenhaft zu erkennen. Seit 4 Wochen kein Regen, nur Sonnenschein, Temperaturen von +- 30 Grad. Überall in BC und Alberta ist Feuerverbot wie auf dem Bild zu erkennen ist.

Trotz der Hitze wollen wir morgen zum Kinnley Lake laufen. Eine Strecke von return 14 Km, Gott sei Dank überwiegend durch Wald.

Wir verlassen unseren Platz am Fraser River mit Blick auf den Mt. Robson in aller Frühe um nicht wieder vor einem vollen Parkplatz zu stehen.

Auf dem Hinweg spiegelt sich der Berg noch im glatten See. Wir umrunden den See bis zum 1. Schelter und rasten dort. Hier ist das Camp für die Wanderer, die ein Permit besitzen und bis zum Bergsee gehen. Der Platz sieht ein wenig verweist auf, aber an einem Gestell sehen wir etliche Beutel, die bärensicher aufgehängt sind. Für die, die weiter gehen, geht es nur noch steil bergauf bis zum Bergsee. Unser Weg führt auf dem gleichen Weg zurück. Es geht immer den Robson River entlang. Vom Fluß kommt eine angenehm kühle Luft, die für etwas Erfrischung sorgt. 

An drei Tagen drei Wanderungen. Wenn auch keine Mammutstrecken aber immerhin mir reicht es erst einmal.

Eigentlich könnte ich meine Wanderschuhe anlassen, denn der Weg zur Dusche ist ca. 500 Meter lang. Über Schotter und Kies geht es steil bergauf zum Office wo sich die Duschen befinden. Wanderstöcke wären auch nicht schlecht. Nach dem Duschen hoffe ich, das mir auf dem Rückweg kein Auto entgegen kommt und mich wieder voll staubt.

Ich finde wir haben uns eine kleine Belohnung verdient. In unserem Vorratsschrank befindet sich noch eine Bananen Walnuss Backmischung. Heute Nachmittag gibt es Kuchen. Abends werden wir wieder statt zu grillen unseren Gasherd anschmeißen. Noch immer ist Feuer verboten. Das Brennholz ( seit Wochen in der Heckgarage) werden wir wahrscheinlich irgendwo liegen lassen müssen, denn wir dürfen es nicht mit nach USA einführen. 

Uns bleiben noch ca. 3-4 Wochen in Kanada, dann wollen wir uns auf dem Weg in die USA machen. Wer weiß, vielleicht starten wir einen letzten Versuch um Lake Louise und Lake Moraine zu besichtigen.

 

Den Tag beenden wir, indem wir es uns am Fluß gemütlich machen und den Mount Robson im leuchtend rot im Sonnenuntergang erleben.