Von Chicken nach Seward

Wir sind in Chicken, der ersten Station unserer Reise durch Alaska und haben das Gefühl auf einer Baustelle zu sein. Vor, hinter und in der Ansiedlung wird die Straße erneuert. Wir sind umgeben von Baufahrzeugen, die um die Wette die Luft verschmutzen. Warum haben wir den Dicken nur vorher gewaschen, die Mühe hätten wir uns sparen können. Jetzt kommt zum Schmutz der Fahrt auf dem Top of the World Hwy noch eine dicke Patina aus Staub.

Mit der Einreise in die USA müssen wir umdenken. Statt Kilometer in Meilen, Statt Liter in Gallonen, statt Can $ in US $. Was bleibt ist die Sprache und der Rechtsverkehr. Der Ort Chicken ist nur im Sommer mit dem Auto zu erreichen. In den Wintermonaten kommen nur Hundeschlitten und Schneemobile in Frage. Während der Zeit des Goldrausches kamen einige hundert Glücksritter aus Dawson hierher. Zu ihrer Ernährung zählten überwiegend die Alpenschneehühner. Der ursprüngliche vorgesehene Name " Ptarmigan " war zu kompliziert, deshalb wurde er kurzerhand in Chicken geändert. 

Wir sind umgeben von Hühnern. Die Plumpstoiletten sind für Roosters and Henns. Wir blicken direkt auf die außergewöhnliche Musikfestival Bühne von Chicken. Neben dem Camp steht eine alte Dredge. In den Souvenirläden werden Chicken angeboten, nur keine gegrillten.

Wir treffen hier Andreas und Stefanie aus Süddeutschland. Sie radeln seit Wochen durch Alaska und wollen jetzt rüber nach Dawson. Ziel ist die Panamerikana. Wer Interesse an ihrer Tour hat sollte unbedingt die Home Page der beiden lesen. Ich kann nur sagen einmalig und Hut ab. 

www.ride-worldwide.com Wir kennen die Strecke die die beiden heute radeln müssen. Davor hat sogar Silvia Respekt. 

Silvia fährt weiter mit mir im Wohnmobil und radelt nicht wie ich nach den Erzählungen der beiden schon befürchtet hatte. Auf dem Taylor Hwy mal auf Schotter mal auf Asphalt biegen wir bei Tetlin Junction wieder auf die 2, dem Alaska Hwy ab. Vor uns ragen majestätisch die schneebedeckten Gipfel der Alaska Range auf. In Tok müssen wir einkaufen und stellen dabei fest, daß Alaska teuer ist. Wir schlucken und überlegen gut was wir kaufen. Tok bedeutet in der Sprache der Indianer "friedliche Kreuzung". Heute lebt der Ort überwiegend vom Tourismus. Wahrscheinlich eher weil man auf der Reise sowieso hier durch muß und nicht so sehr weil der Ort besonders sehenswert ist. Allerdings liegt 18 Miles weiter nördlich der Moon Lake Park. 

Wir erwischen einen der letzten Plätze, stehen unter schattigen Bäumen und blicken auf den See. Unsere Nachbarn entsprechen unserem Klischee vom typischen Bewohner Alaskas. Wie heißen sie eigentlich? Alaskianer oder Alaskaner oder gibt es keine Bezeichnung? Ich habe keine Ahnung. Beide tragen Tarnkleidung und gehen entweder angeln oder hacken den ganzen Tag über Holz. Übernachtet wird im Zelt. Der Hund darf nicht fehlen. Er liegt warm eingemummelt auf dem Campingstuhl. Wir vertreiben unsere Zeit mit einem Spaziergang oder sitzen einfach nur am See und genießen die Natur. Wir beobachten die Eichhörnchen und Wasservögel. Spät am Abend leuchten die Berge der Alaska Range im Schein der untergehenden Sonne. Vorbildlich sind die Amerikaner ja. Damit die Kinder im Sommer beim Schwimmen nicht untergehen können liegen Schwimmwesten bereit. Wir haben nachgesehen, sie sind im tadellosen Zustand. Ich glaube bei uns würden die Westen regelmäßig verschwinden. 

Wir verabschieden uns von unseren Nachbarn. Es geht auf einer etwas eintönigen Strecke nach Delta Junction. Immer wieder nah am Tanana River entlang. Ab Delta Junction heißt der Alaska Hwy Richardson Hwy. Nach Süden hin führt er über 268 Miles direkt nach Valdez. Delta Junction liegt im fruchtbaren Tal des Tanana Deltas und wird von drei Gebirgszügen umgeben. Kurz vor der Veteranen Brücke, die über den Tanana River führt, sehen wir am Flussbett eine Wagenburg. Wir biegen in den kleinen Zuweg und sind  nicht nur umgeben von Dickschiffen  sondern auch von zahlreichen Quads. Das Flussbett ist zum größten Teil ausgetrocknet und somit herrschen die besten Bedingungen für Cross Touren. Dementsprechend sehen Fahrer und Fahrzeuge auch aus. Hier im Big Delta sehen wir zum ersten mal die Trans Alaska Pipeline, die von Prudhoe Bay bis nach Valdez verläuft. In Delta Junktion wurde ein altes Roadhouse, das Sullivan Roadhouse, zum Museum  erklärt. Wir erfahren dort einiges über das Leben und die Arbeit der Trapper.  

Weiter Richtung Fairbanks mit einem Stop in North Pol. Nach dem amerikanischen Mythos lebt Santa Claus am Nordpol. Was liegt da näher als den Weihnachtsmann in das kleine beschauliche North Pol nach Alaska zu verfrachten. Das Haus ist nicht zu verfehlen. Von außen und innen besonders schrill. Weihnachtsdeko in allen Variationen. Bunt, schrill und auch kitschig. Wer möchte kann sich mit Santa Claus ablichten lassen. Strampelanzüge für Erwachsene mit riesigen Bärentatzen in knallrot sind der Renner. Hier ist weihnachtlicher Kommerz das ganze Jahr über. Damit uns der Spaß an Weihnachten nicht verloren geht halten wir uns in dem Laden nicht lange auf, aber einmal gesehen haben wollten wir es schon.

Als wir unseren Übernachtungsplatz in Fairbanks, Walmart, erreichen wundern wir uns über die Stromsäulen. Die Autos haben unterhalb des Kühlergrills ein Stromkabel heraus hängen. Anfangs dachten wir, wir könnten unser Wohnmobil an den Stromsäulen anschließen. Wir wurden eines Besseren belehrt. Bei den hiesigen Minusgraden im Winter müssen die Wagen aufgeheizt werden damit sie überhaupt anspringen. Jetzt ist der Strom abgestellt. Heute ist Memorial Day und wir bekommen noch ein wenig von den Feierlichkeiten mit. Die Stadt ist mit Fahnen geschmückt. So ein Stadtrundgang macht durstig. Wir finden eine gemütliche Kneipe, der Fernseher läuft, die Bar ist mit US und Alaska Fahnen geschmückt und die Gäste rauchen was das Zeug hält. Es gibt sie also noch, die Raucherkneipen.

Nach einer Nacht bei Walmart stehen wir für einige Tage auf dem Tanana Valley Campround und lernen Britta kennen. Sie ist mit dem Rad unterwegs und wie wir später erfahren mußte sie die Reise wegen eines Unfalls vorzeitig abbrechen. Heute Abend ist Stockbrot Essen angesagt. Mit ihr, Brad, Nancy und Jason wird die Nacht lang und sehr unterhaltsam. In einiger Entfernung zum Campplatz, ebenfalls an der College Rd liegt das Creamer`s Field Migratory Waterfowl Refuge. In dem Natur und Vogelschutzgebiet wandern wir auf Holzplanken durch Sumpfgelände und Birkenwälder. Bei unserer Rückkehr im Camp staunen wir nicht schlecht. Ein Pkw hat es geschafft ins Bachbett zu fahren. Es ist eigentlich unmöglich vom schmalen Weg abzukommen. Wie der Fahrer diese Glanzleistung geschafft hat wird uns immer ein Rätsel bleiben.

Von Fairbanks sind es noch 123 Miles bis zum Denali Nationalpark. Während der Fahrt über den Parks Hwy blicken wir ständig auf die gewaltige Denali Range. Die landschaftlich reizvollen Strecke zwingt uns zu etlichen Fotostops. Deshalb wir die Fahrt zu einen Tagestrip. In Healy, einer Ansammlung von Hotels, Shops und Adventure Anbietern biegen wir in die Park Road zum Denali Visitor Center ab. Dort besorgen wir uns den Annual / Interagency Pass für 80 $, mit dem wir alle Nationalparks in den USA besuchen können. Heute übernachten wir auf dem Savage Valley Camp, der nur 13 Meilen entfernt ist und noch außerhalb der Parkgrenze liegt. Bis zum Camp ist die Straße asphaltiert. Momentan bekommen wir einen Platz ohne Reservierung. In der Hauptsaison sollte unbedingt vor gebucht werden. Mittlerweile haben wir zu der Bearbell auch noch Bärenspray und gehen gut gerüstet in der Wildnis Alaskas spazieren. Einige Trails beginnen direkt am Camp. Solange noch andere Wanderer zu sehen sind fühlen wir uns relativ sicher. Vor uns geht eine Vierergruppe die an einer Biegung plötzlich stehen bleibt und langsam den Rückwärtsgang einlegt. Sie zeigen an, daß wir stehen bleiben sollen. Und schon kommt aus dem Dickicht eine Elchkuh mit einem Jungtier aus dem Gestrüpp gerannt und läuft parallel zu uns davon. So schnell kann ich die Kamera nicht bedienen. Abends ermahnt uns der Ranger besonders vorsichtig zu sein, keine Lebensmittel liegen zu lassen, weil gestern ein Grizzlybär im Camp war. Diesbezüglich hatten wir bereits Erfahrungen gemacht und sind vorgewarnt.

Wir sind mit Stefan und Yasmin am Visitor Center verabredet. Am Riley Creek Camp erhalten wir die Permits für den Teklanika Campingplatz und decken uns mit Feuerholz ein. Ein Bund Holz für schlappe 9,99 $! Gut daß wir unsere Lebensmittel in Fairbanks aufgefüllt haben. 

Mit dem Permit dürfen wir mit dem Wohnmobil in den Park hinein fahren. Für alle anderen Gäste mit Auto ist an der Schranke Endstation. Wir weisen uns aus und fahren auf der Schotterstraße im guten Abstand hinter dem Zebra her. Eine sich immer weiter entfernende dicke Staubwolke sagt uns, daß sie wesentlich schneller vorankommen als wir. Die Park Rd führt anfangs an zahlreichen Wäldern vorbei. Dann haben wir wieder einen freien Blick auf die Gebirgskette. Immer wenn Berge zu sehen sind hat Silvia die Angewohnheit zu bummeln und ich habe eh nichts dagegen. Ich kann aber suchen so viel ich will, Tiere sind heute nicht zu sehen. 

Nach 29 Meilen erreichen wir den Teklanika Campground, den einzigen Platz im Park für Wohnmobile. Das Mobil darf erst wieder bei der Ausreise bewegt werden. Für uns war es wegen der Vorsaison kein Problem kurzfristig einen Platz zu bekommen. In der Hauptsaison ist eine rechtzeitige Buchung unbedingt erforderlich. Der Platz liegt direkt am Teklanika River. Im breiten Kiesbett gehen wir auf Pirsch und suchen uns einen Weg durch den Fluß. Täglich werden im Camp Vorträge über Flora und Fauna des Parks gehalten. Heute Abend will Stefan für das Essen zuständig sein. Es gibt Schweinebraten vom Grill. Er ist ein Multitalent was das Kochen und Reparaturen am Auto betreffen. Wir steuern die Getränke und den Salat dazu. 

 

Der Mount Mc Kinley, Alaskas höchster Berg ragt vor uns 6194 m in die Höhe. In der Sprache der Athebasken, einem Indianerstamm, heißt der Berg Denali, der Hohe. Mit der Parkgründung bekam er den Namen des damaligen Präsidenten William Mc Kinley. Präsident Barack Obama gab dem Berg während seiner Amtszeit den ursprünglichen Namen der Athebasken zurück. Denali, der Hohe. Der Denali Nationalpark hat eine Größe von 24585 m2. Vom Parkeingang fahren in regelmäßigen Abständen Shuttle Busse hinein. Auch wir müssen für Touren in den Park den Bus nehmen oder direkt vom Camp aus wandern. Momentan ist der Park nur bis zum Eielson Visitor Center zugänglich, Kantishna und Wonder Lake sind noch gesperrt. Der Bus hält an verschiedenen Punkten wo wir aussteigen und uns die Beine vertreten. Wenn während der Fahrt Tiere gesehen werden ist das Aussteigen allerdings verboten. Wir durchfahren die Taiga, mit einem Gemisch aus kleinen Laubbäumen wie Espen und Balsampappeln, Papierbirken und Fichten. Der Boden ist bedeckt mit Büschen, Kräutern und Flechten. Im Schwarzfichtenwald ist der Boden mit Riedgras und Sumpfmoos bedeckt. Je weiter wir in den Park hinein fahren um so spärlicher wird die Vegetation. In der Tundra sehen wir statt Bäume nur niedrige Sträucher uns Büsche. Nach drei stündiger Fahrt erreichen wir das Eielson Center und stehen vor der imposanten Kulisse der Denali Range. Wir sehen die Denali Spitze ohne daß sie von Wolken verdeckt wird. Während die anderen drei eine kurze Wanderung einlegen beobachte ich auf dem gegenüber liegenden Berghang zwei Bärinnen mit jeweils zwei und drei Jungen. Sie gehen sich aus dem Weg und halten einen großen Abstand zwischen sich. Die Wanderwege in dem Gebiet wurden gesperrt aber die Gegend am Flussbett wo Silvia herumstreift ist offen. Außer Bären sehen wir Elche, Karibus und den Nationalvogel Alaskas. Die Rückfahrt mit dem Bus kürzen wir mit vielen anderen Besuchern ab und gehen das letzte Stück zu Fuß zum Camp. Wir verbringen drei Tage im Park mit Wanderungen, faulenzen und klönen. Eigentlich hätten wir länger buchen sollen. Der drei Tage minimum Aufenthalt war einfach zu kurz.

Der Tag der Abreise ist gekommen und mit ihm kommt schlechtes Wetter auf. Sonnenschein wechselt sich mit dunklen Wolken ab. Schließlich gewinnen die Wolken und ergießen sich mit voller Wucht vom Himmel. Wir kämpfen uns durch den Regen und lassen die Landschaft an uns vorbei ziehen. Viel ist nicht zu sehen. Nach 103 Meilen ist am South View Point Schluß. Wir übernachten hier und stellen uns in eine Nische, die eigentlich für den Host vorgesehen ist. Am nächsten Tag scheint wieder die Sonne und wir sehen ein letztes mal den Denali majestätisch in den Himmel ragen.

Unsere Gasflaschen müssen gefüllt werden. Nach 20 Meilen kommt die Trapper Creek Trading Post. Eine Anlaufstelle für alle in der Umgebung wohnenden Leute und Touristen wie wir. Das Diner ist gerammelt voll. Schade daß wir so kurz nach dem Frühstück keinen Hunger haben. An der Gas Station kümmert sich ein in die Jahre gekommener zahnloser und überaus freundlicher Herr um uns. Er holt selber die Flaschen aus dem Wagen und schließt sie wieder an. Dabei bemerkt er daß wir keine "wrench" haben. Die bräuchten wir unbedingt. Einige Meilen weiter bei Wal Mikes würden wir mit Sicherheit eine bekommen. So lernen wir auch Mike und seinen außergewöhnlichen Souvenir Laden kennen. Wir fahren weiter mit einer "wrench" im Gepäck.

Hinter Wasilla biegen wir auf die 1, dem Glenn Hwy, ab und landen in der wie wir finden häßlichen Stadt Anchorage. Das interessanteste war für uns das Feuerwehrauto und für die Feuerwehrbesatzung war es unser Wohnmobil. Die ganze Besatzung stand im oder am Auto. So ein kleines Wohnmobil mit einer so großen Heckgarage. Sie staunten nicht schlecht was wir alles darin verstaut hatten. Eigentlich wollten wir in Anchorage übernachten, aber die Plätze waren so verschmutzt und herunter gekommen, daß wir weiter bis zum Bird Creek Camp gefahren sind. Südlich von Anchorage geht es auf dem Seward Hwy weiter. Am Seitenarm des Cook Inlets, dem Turnagain Arm, sehen wir in der Ferne die ersten Weißkopfseeadler. Mit etwas Glück kann man dort auch Beluga Wale beobachten. Seit einigen Tagen hatten wir keine Duschgelegenheit. Warum auch immer, unsere Dusche nehmen wir nur ungern. Ich glaube zur Goldgräberzeit ging es dem Menschen nicht anders. Wir biegen ab auf den Alyeska Hwy und von dort auf die Crow Creek Rd. Auf einer von Schlaglöchern übersähte Rumpelpiste geht es teilweise nur im Schritttempo. Ziel ist eine historische Goldmine. Es wird immer noch nach Gold geschürft und wer möchte kauft sich einige Goldflocken, wirft sie in einen Zuber und versucht sein vorher gekauftes Gold wieder zu finden. Nach diesem Zwischenstop geht es direkt weiter nach Seward und wir befinden uns auf der Kenai Halbinsel.

Dort treffen wir zufällig wieder auf Stefan und Yasmin. Zu unserer Überraschung sind auch Jürgen und Birgit mit ihren drei Kindern Jule, Hannes und Ida dort. Kennen gelernt haben wir sie im Denali Park. Die Familie stammt aus Deutschland, sie leben und arbeiten aber seit Jahren in Houston Texas.

Wir stehen etwa 4 Km von Seward entfernt auf dem Millers Landing Camp. Alles um uns herum ist auf Fischen, Angeln und Bootfahrten ausgerichtet. Wir riechen Fisch und Salzwasser. Jeden Nachmittag kommen die Hobby Fischer und nehmen den Fang aus. Für Möwen und Seeadler fällt schon mal ein Stück Fisch ab, auch Touristen die zusehen ergattern schon mal ein filetiertes Stück. Das Office lädt zum Verweilen ein, allerdings müssen wir uns den Kaffe gegen einen kleinen Obolus selber kochen. Auf der Veranda, im Schaukelstuhl sitzend, lassen wir den Tag ausklingen und sehen zum ersten mal zumindest den Rücken eines Wales. Gemächlich zieht er vor uns seine Bahn aufs offene Meer hinaus. 

Für eine Bootstour auf den Prince William Sound haben wir uns schlechtes Wetter ausgesucht. Mit der North Star Marina fahren wir 5 Stunden hinaus aufs Meer. Dick eingemummelt und in Erwartung toller Eindrücke gehen wir hoffnungsvoll auf das Boot. Es dauert aber nicht lange und wir müssen zusätzlich unsere Regenbekleidung überziehen. Nebelschwaden und Wolken ziehen wie die Wale an uns vorbei. Den Walen ist es über Wasser aber auch zu ungemütlich, so können wir nur wie gehabt die Rückenflosse und etwas Rücken sehen. Ich glaube die mögen uns nicht.  Wir bleiben standhaft und verbringen die ganze Zeit an Deck. Der Otter liegt entspannt auf dem Rücken und chillt. Am Berg entdecken wir zwei Schneeziegen mit Jungtieren, die uns etwas für die ansonsten enttäuschende Tour entschädigen. Schemenhaft erkennen wir unter einem Felsen einige Seelöwen während die Möwen in einer Höhle Schutz suchen.

Der nächste Tag. Heute wollen wir wandern. Nur wenige Autominuten von Seward entfernt liegt das Harding Icefield / Exit Gletscher. Bereits an der Straße die zum Gletscher führt sehen wir die ersten Hinweisschilder mit Jahreszahlen und können erkennen wie schnell der Gletscher kleiner wird. Vor 100 Jahren war dort wo wir jetzt fahren alles noch von Gletschereis bedeckt. Wir wandern durch Wald, überqueren eine Brücke und nach einem Loop stehen wir am Fuße der Gletscherzunge. Näher herangehen dürfen wir nicht denn das Gebiet ist gesperrt. Weiter geht es hinauf mal auf Felsen mal auf guten Wegen. Es wird steiler. Im Gegensatz zu gestern ist es heute schwül warm. In Bayern würde man sagen Föhnwetter. Die Wälder liegen unter uns und wir sind von Sträuchern und Büschen umgeben. Uns begegnen nur wenige Wanderer. Die erschrecken Silvia nicht. Aber plötzlich kommt sie aus der nächsten Kurve zurück gerannt und stammelt: "Da auf dem Weg ist ein Tier". Ich denke sofort an einen Bär. " Du sollst Dich doch nur langsam rückwärts bewegen wenn Du einen Bären siehst", flüstere ich zurück. Ich bin etwas beunruhigt, was machen wir jetzt. Meine Hand greift nach dem Bärenspray. Sie glaubt nicht daß es ein Bär war und wie sich herausstellt ist es nur ein harmloses Stachelschwein. So nah wie hier waren wir einem Gletscher noch nie. Direkt vor unseren Füßen breitet es sich aus. Den Weg weiter hoch sparen wir uns denn ohne Führung werden wir uns hüten auf das Eis zu gehen.

Nach Seward müssen wir bis Wasilla den gleichen Weg zurück. Ab dort geht es auf dem Glenn Hwy über Palmer zum Hatcher Pass.