Badlands Dinosaurier Park / Alberta

Bei Medicine Hat verlassen wir den TCH und begeben uns nach Norden. Östlich von Calgary, am Red Deer River, befinden sich die sogenannten Badlands. Das Gebiet ist eine der wichtigsten Fundstellen von Dinosaurier Fossilen. Etwa 300 vollständig erhaltene Dinoskelette und über 40 Dinosaurier Arten wurden hier entdeckt. Der dazu gehörige Provincial Park nördlich von Brooks ist ein von der UENESCO ausgewiesenes Kulturerbe. Zu einem Provincial Park gehört immer ein Campingplatz. Dieser soll ganzjährig geöffnet sein. Es stimmt sogar. Die Anmeldung, das Restaurant und die Sanitäranlagen sind zwar noch geschlossen aber der Platz ist zugänglich. Self Registration ist angesagt. 

Dazu nehmen wir einen Briefumschlag aus der Box, geben das Datum der An und Abreise, die KFZ und die Stellplatz Nummer ein. Den Umschlag werfen wir mit dem Geld in den sicheren Briefkasten. Jeder Platz hat eine Grillstelle und Stromanschluss.  Die ausreichend vorhandenen Plumpstoiletten sind sehr sauber. Außer Brennholz haben wir alles was wir brauchen. Einen schönen Platz, kein Regen, kein Schnee, dafür Internet und eine beeindruckende Landschaft. Die wenigen Nachbarn verlassen bei unserer Ankunft nach und nach den Platz. Nicht wegen uns sondern weil die Pflicht ruft. Es ist Sonntag und morgen beginnt die Arbeitswoche. 

Abends teilen wir den Platz lediglich mit einem Reh. Friedlich grast es direkt vor unserem Auto. Bei einem Glas Wein genießen wir still diesen Augenblick und haben das Gefühl angekommen zu sein. Wir sind rundum glücklich und dankbar jetzt hier sein zu können. 

 

 

 

Im Visitor Center erhalten wir ausführliche Informationen über die Entstehungsgeschichte des Parks und über die Ausgrabungen. 

Die Ausgrabungen organisiert die sog. Field Station des Royal Tyrrell Museum.

Einige der Dinosaurierskelette  und Knochenfragmente sind dort ausgestellt.

Der Park ist weitestgehend Forschungszwecken vorbehalten. Nur einige kurze Wege sind für den Besucher frei zugänglich. Auf fünf dieser Trails können wir den Park erkunden. Nach der endlos scheinenden Weite  in Manitoba und Saskatchewan und den nicht enden wollenden Stoppelfeldern eine willkommene Abwechslung. Hier haben Farbe, Struktur und Gestalt zusammen gewirkt und eine unwirkliche Welt entstehen lassen. Wir lassen der Phantasie inmitten der grotesk verwitterten Felszinnen und Steinsäulen freien Lauf. Auf dem Coulee Viewpoint Trail geht es auf schmalen, vorgegebenen Pfaden durch die Sandsteinhügel. Der Boden ist weich und wir haben das Gefühl auf Watte zu gehen. An feuchten Stellen ist der Untergrund rutschig und glitschig. Die Erde bleibt an den Schuhsohlen haften und wir wachsen mit jedem Schritt einige Millimeter. Wollen wir noch höher hinaus müssen wir nur die zahlreichen Hoodoos, aus Sedimentschichten geformte turmartige Säulen, besteigen. Bei Trockenheit sieht der Boden wie Elefantenhaut aus. Die Vegetation ist spärlich. Einige Gräser und gelbweiße Blumen sprießen aus dem kargen Boden. Bei genauerer Suche entdecken wir winzige Kakteen. Hinweisschilder warnen vor Skorpionen und der Schwarzen Witwe. Die sehen wir zwar nicht, dafür aber das Reh von gestern Abend. Ohne Scheu bleibt es vor uns stehen und schaut uns geraume Zeit an. Hat es uns wieder erkannt? Eindeutig ja, es hat uns zugezwinkert. Wir verbringen einen weiteren Tag in diesem Park und wollen uns dann auf den Weg in die Rockies machen.