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Von Riga zurück nach Litauen

Von Riga geht es entlang der Ostseeküste bis zur Memel. 

Traumstrände, Kurische Nehrung und der kleinste State Park Litauens

erwarten uns.

Das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Es regnet als wir den Kemuro Nationalpark durchfahren. Mit der Radtour wird es nichts. Tiefe, wassergefüllte Spurrillen auf der Straße. Jedesmal wenn uns ein Laster entgegen kommt ist Land unter und wir sitzen in einem U Boot. Wir nehmen eine Routenänderung vor und begeben uns direkt an die Ostsee. Hinter Tukum geht es auf Nebenstraßen quer durch das lettische Hinterland. Wir bewegen uns auf der Flickenteppichstrecke nur langsam vorwärts. Die Arbeiter vor uns haben noch einiges zu tun denn ab jetzt reiht sich Loch an Loch, aber nicht so groß wie in Mexiko. Wir legen lediglich einen Stop zum Tanken und Einkauf ein. Südlich von Liedaja stehen wir auf einem wunderschönen Platz mit direktem Zugang zur Ostsee.

Der abgetrennte Campbereich ist vom Restaurant nicht zu sehen. Eine liebevoll angelegte Anlage mit Ruhezonen, Hütten und einer ausgezeichneten Küche. Allerdings heißt es Self Service. Es hat eine Weile gedauert bis wir dahinter gestiegen sind. Anmeldung für den Stellplatz und Essen- Getränkebestellung alles an einer Stelle. Das dauert, aber wir haben ja Zeit. Abends wird der Platz zusätzlich von vielen Einheimischen aufgesucht. Bis zum Strand sind es ca. 200 Meter, die wir durch einen Kiefernwald gehen. Die Bäume sind mit Häkelleibchen geschmückt. Der breite Sandstrand ist fast menschenleer und sauber. Wir müssen nur ein Stück am Strand entlang gehen und sind völlig alleine. Es ist wie im Paradies. Die Küste ist ein Traum. Da kann selbst Holland nicht mithalten. Wir verbringen hier 2 Tage mit relaxen und Strandspaziergängen. 

Lediglich 93 Kilometer sind es bis nach Klaipeda in Litauern wo wir innerhalb von 5 Minuten mit der Fähre auf die Landzunge der Kurischen Nehrung setzen. Die Nehrung trennt das Kurische Haff von der Ostsee. Die breiteste Stelle ist 3,8 Km, die schmalste Stelle nur 380 m. Es führt nur eine gebührenpflichtige Straße durch den ausgewiesenen Nationalpark mit einer Länge von 48 Km auf litauischem Gebiet. Dann steht man vor der Grenze zu Kaliningrad. Wer nicht aufpasst landet ungewollt auf russisches Hoheitsgebiet. Also ist Vorsicht geboten. Wir fahren nur bis Nida wo der einzige Campground der Halbinsel ist. Nicht schön aber mangels Alternative nicht zu vermeiden. Die meiste Zeit fahren wir durch Kiefernwälder. Lediglich an einigen Stelle ist entweder die Ostsee oder die Nehrung zu sehen. Die wahre Schönheit der Landzunge zeigt sich bei einem Spaziergang oder bei einer ausgedehnten Radtour. Am ersten Tag bleibt uns genügend Zeit mit den Rädern von Nida/Nidden und bis Preila zu fahren. Die Radwege liegen abseits der Straßen, führen durch Wald und sind mitunter sehr holperig.

Leider habe ich auf einem abendlichen Spaziergang zur Beach meine Kamera und auch das Handy nicht dabei. Wir stehen auf dem natürlichen Damm und blicken auf das unter uns liegende Meer und den Strand. Der Anblick ist überwältigend. Na ja, morgen ist auch noch ein Tag. Es gibt Badebereiche für Nudisten und solche die sich lieber zum Schwimmen anziehen. 

Wir merken die See, denn es wird abends frisch. Einige Tropfen Regen fallen vom Himmel, stören aber nicht besonders.

Der nächste Tag wird eine Herausforderung für meinen Allerwertesten. Unser Ziel ist eine Reiherkolonie kurz vor Juodkrante. Die Strecke bis Preila kennen wir bereits, danach geht es in unbekannte Regionen. Wir biegen in den Wald und es geht über Stock und Stein durch das Naturschutzreservat. Nach über 20 km tauchen vor uns rechter Hand die Dünen des Naturreservates Nagliai auf. Für 2 Euro dürfen wir die Dünen hinaufwanden. Hinter dieser beeindruckenden Düne der Kurischen Nehrung verbirgt sich ein trauriges Kapitel der Geschichte. Nämlich die Versandung der Dörfer. In Laufe der Geschichte wurden 14 Dörfer mit Sand bedeckt. Dort wo wir die Sanddünen hochkraxeln befand sich bis im Jahre 1834 der gleichnamige Ort Nagliai. Die Dünen wanderten bis zu 15 Metern pro Jahr nach Osten. Die Bewohner zogen mit und gründeten die Orte Pervalka und Preila. Unten am viel zu kleinen Parkplatz stärke ich mich mit Espresso. Silvia gönnt sich ein Eis. 

Uns zieht es weiter nach Osten zum anderen Ende der Insel. Wieder durch den Wald auf die andere Seite der Halbinsel. Jetzt radeln wir entlang der Ostsee. Der Zugang zur Beach ist aber noch gesperrt. Es dauert bis wir den ersten Zugeng passieren. Vor uns der natürliche Damm aus Grünpflanzen und lilafarbenen Blumen. In der Nähe von Juodkrante sehen wir die ersten erschreckenden Bauvorhaben die dem Tourismus geschuldet sind. Unansehnliche Häuser, die absolut nicht in die Landschaft passen. Wir befinden uns noch auf der falschen Seite der Halbinsel. Bis zu Graureiherkolonie müßten wir noch ca. 10 km in die falsche Richtung und ein Stück auf der anderen Seite zurück radeln. Mein Po streikt. Zusätzlich 10 km , nein danke. 37 Km liegen hinter uns und es wird windig. Natürlich kommt dieser auf dem Rückweg von vorne und das wo es immer leicht bergauf geht. Mein Rad hat Power, was meine Power ersetzt. Nicht gleich im Turbo aber kontinuierlich im Eco strample ich gegen den Wind an. Silvia in meinem Windschatten. Gut daß sie Herausforderungen liebt. Wir sehnen den Wald herbei denn dort kann uns der Wind wenig anhaben. 

In Preila hat Silvia bereits auf der Hinfahrt eine Lokalität ausgemacht. Jetzt ist das Restaurant mit dem kleinen Biergarten 15 km vor dem Ende der Tour eine willkommene Pause zur Stärkung wert. Wir sitzen mit Blick auf das Wasser im Schatten, gönnen uns ein Bier und eine dazugehörige Mahlzeit. Ob wir danach besser fahren können sei dahingestellt. Ich gehe wie auf Eiern. Die Welt ist klein und unsere Nachbarn vom Camp trudeln auch ein. Nach 8 Stunden Tour erreichen wir Nida und müssen eine letzte Schikane bewältigen. Zum Camp geht es aus der Stadt bergauf. Ich lege den 3. Gang ein und düse an Silvia und den anderen Radfahrern vorbei. Oben ist warten auf Silvia angesagt. Die Düne Parnida machen wir heute nicht mehr. Sie ist zudem touristisch völlig überlaufen und wie andere Touristen sagen nicht so schön wie die Düne im Nagliai NP. 

Mit einer abendlichen Wanderung zur Beach wird es nichts, denn es regnet und der Himmel ist bedeckt und dunkel. 

Wir verlassen Nida, besichtigen bei bedecktem Himmel nicht die Düne und begeben uns zurück nach Klaipeda. Auf der 141 fahren wir hinunter zur Memel und bewegen uns immer parallel zur Grenze Kaliningrads, bis wir rein zufällig im kleinsten State Park Litauens landen. Der Rambynas ist ein Hügel im Memelland, der ursprünglich heidnischen Ursprungs ist. Heute werden hier immer noch zur Sonnenwende Feste gefeiert. Wir können bei der Vorbereitung der Feste zuschauen. Die Frauen und Männer der Region binden vorgefertigte Holzsymbole mit Stroh, es wird gesungen und gelacht. Später gesellt sich ein Damenchor dazu, die in ihrer landestypischer Kleidung Volksmusik zum Besten geben. Eine der Damen spricht ein wenig deutsch und wir erfahren, daß in den nächsten drei Tagen der Festplatz Austragungsort der Feierlichkeiten zur Sonnenwende ist. Der Chor besteht erst seit 6 Monaten aber der Gesang kann sich hören lassen. Leider schlagen wir die Einladung zur Feierlichkeit aus aber wir glauben, daß wir doch etwas störend wären. Wir wollen die Gastfreundschaft nicht überstrapazieren. Danke allen Mitwirkenden für die schönen Stunden.

Den Abend verbringen wir an einem idyllischen Camp in Saline. Die Betreiberin imkert und betreibt nebenbei den Campplatz. Wir kaufen ein Glas Honig stellen uns an einem der Teiche hin und hören den Fröschen zu. Hoffentlich schlafen die auch irgendwann. 

Eigentlich wollen wir zum Abschluss in Litauen noch die Stadt Kaunas besichtigen aber uns zieht es in die Natur. Bis Elk in Polen sind es nur 218 km. Da wollen wir hin und uns die Masurische Seenlandschaft ansehen. Wer weiß ob wir dort landen und nicht unterwegs durch andere tolle Landstriche oder Begebenheiten aufgehalten werden. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Kathleen (Mittwoch, 26 Juni 2019 18:22)

    Also das ist ja der Knaller was ihr wieder hinter euch gebracht habt.
    Ich habe es als grosser Internet Freak nicht gebacken bekommen in den Block zu kommen;-(
    Aber was lange dauert...liest sich super
    Ich lese jetzt mal alles und ihr seid wahrscheinlich auf dem Heimweg ✌

Wir benötigen nicht viel, nur...

etwas zum Genießen
etwas zum Genießen
faszinierende Landschaften
faszinierende Landschaften
eine Gelegenheit zum Chillen
eine Gelegenheit zum Chillen
ein Feuer zum Wärmen
ein Feuer zum Wärmen
etwas zur Stärkung
etwas zur Stärkung
einen Platz zum Übernachten
einen Platz zum Übernachten
nette Begegnungen
nette Begegnungen
hin und wieder Infos aus der Heimat
hin und wieder Infos aus der Heimat
und natürlich Bewegung (in Maßen)
und natürlich Bewegung (in Maßen)

Worauf wir verzichten können ist...

der Masse zu folgen
der Masse zu folgen
grobe Übersichtsroute Nordamerika 2017/2018
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