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Litauen

Wir haben für das Baltikum lediglich 3 Wochen Zeit und

müssen bis dorthin über 1500 Kilometer zurücklegen.

 

 

 

Leider geht für uns die Reise erst am Nachmittag los. Dank dem Pfingstwochenende fahren wir auf fast leerer Autobahn zügig bis Magdeburg. Je weiter wir nach Osten kommen um so besser werden die Straßenverhältnisse. Das ändert sich erst als wir Magdeburg erreichen und dank einer Riesenbaustelle eine Irrfahrt über gepflasterte Straßen hinlegen. Wellblechpisten sind nicht schlimmer. Wir lassen die Plattenbauten mit frischem Anstrich hinter uns und durchfahren ein Wohngebiet mit alten renovierten Häusern und nach endlos erscheinender Sucherei finden wir schließlich den Wohnmobilstellplatz am Elbufer. Direkt nebenan befindet eine Strandbar mit Sand, Liegestühlen, einer Bar natürlich und einem Imbiss. Zu feuriger Salsa Musik lassen wir es uns bei einem Bier gutgehen.

638 km liegen hinter uns jetzt geht es quer durch Polen. Wir fahren früh los denn vor uns liegen 884 km bis Bialystok wo die nächste Übernachtung sein soll. Direkt hinter der Grenze müssen wir Geld umtauschen. Der Euro gilt nicht in Polen, sie haben noch den Zloty. Der Kurs ist grottenschlecht. Für 50 € erhalten wir 190 Zloty, die hoffentlich für die Maut Gebühr reichen. Die Autobahnen wurden alle aus Fördergeldern der EU gebaut, sind neu und im tadellosen Zustand. Kein Unrat am Straßenrand und auf den Parkplätzen. Da können wir uns in Deutschland die Polen zum Vorbild nehmen. Die E30/A2 gehört uns fast alleine. Lediglich um Warschau stehen wir im Stau. Es geht 9 km Stop and Go. Auch in Polen sehen wir an den Stadträndern überwiegend Plattenbauten. Die nächste Riesenbaustelle erwartet uns in Bialystok. Jetzt geht die Sucherei nach dem Camp los. Das Navi sagt wir haben unser Ziel erreicht aber wir befinden uns noch auf der Straße und von einem Campingplatz ist weit und breit nichts zu sehen. Wir fragen mit Händen und Füßen einige Anwohner und ein älterer Herr, der etwas deutsch spricht meint nur: ist hinter Wald, Straße zurück bis Licht, dann rechts, dann da. Das machen wir und stehen vor einem verschlossenem Tor. Eine Sprechanlage ist vorhanden aber ich verstehe die Durchsage nicht. Das muß ich auch nicht denn wie von Zauberhand geht das Tor auf. Wir stehen direkt an einem See mit mehreren anderen Deutschen, haben eine Dusche, die wir bei 32° und verschwitzt wie wir sind auch benötigen. Duschen, essen, früh schlafen und am nächsten Morgen zeitig weiter fahren. Noch haben wir unser Ziel nicht erreicht.

Man sollte seinem Navi nicht immer trauen. Bis Vilnius sind es noch 275 km allerdings durch Weißrussland. Das merken wir erst ca. 50 km vor der Grenze. Wir müssen die wunderschöne Strecke auf einer Hauptstraße leider wieder zurück fahren. Zeitverlust 1 Stunde. Auf dieser Straße verstehen wir den Bau der Autobahnen. LKW an LKW dicht hinter einander passieren die Dörfer. Die Straße ist völlig überlastet. Es geht durch Wälder, vorbei an Wiesen und Felder. Immer wieder entdecken wir Störche die entweder über uns fliegen, fressen oder bei der Fütterung im Nest sind. Gegen Mittag erreichen wir die Grenze zu Litauen. Auch hier haben wir freie Fahrt über die von der EU geförderten Straßen. Keine Kontrollen innerhalb der EU an der Grenze. Auf Litauens Straßen heißt es vermehrt aufpassen. Die fahren wie bescheuert. Überholt wird an allen unmöglichen Stellen. Autofahrer sind unterwegs wo wir uns fragen ob die überhaupt einen Führerschein haben. Vom Seitenstreifen im Schritttempo auf die Autobahn. Wir müssen ständig mit Vollbremsungen der vor uns fahrenden Laster rechnen.

Wir erreichen unser Camp in Vilnius 15.30. Die Uhr stellen wir um eine Stunde vor. Gefahrene Strecke 356 km ohne Weißrussland. Wir stehen am Rande der Stadt auf einer kleinen Anlage. Abends tauchen am Himmel einige Heißluftballons auf. 

Das Brot ist bei der Hitze im Auto verschimmelt. Wir hätten es in den Kühlschrank legen sollen. Haben wir aber vergessen. Es gibt Müsli.

Mit dem City Tour Bus, der auf dem Camp stationiert ist,  geht es am nächsten Tag in die Stadt an der Neris. Um uns einen ersten Überblick zu verschaffen und ein wenig über die Geschichte Vilnius zu erfahren unternehmen wir die rote Schleife die u.a. durch die Altstadt führt. Wir hören einiges über den Widerstand der Bevölkerung gegen das Russische Reich aber nichts über die Progrome im Dritten Reich woran die Litauische Bevölkerung einen großen Anteil hatte. Danach begeben wir uns per pedes durch die gepflasterte Altstadt vorbei an zahlreichen Kirchen. Die meisten davon sind im gotischen Stil erbaut. Wir durchstreifen das nur 60h große Künstlerviertel Uzupis was auch Monmatre von Vilnius genannt wird. Wir verlassen die Altstadt und wandern die Prachtstraße Gedimino pr. mit seinen zahlreichen Geschäften, Cafés und Restaurants hinauf und überqueren die Neris. Wir gelangen in das alte Viertel Zverynas das mit seinen windschiefen alten Holzhäusern einen besonderen Charme ausstrahlt. Wir können nur hoffen daß hier einmal eine sinnvolle Restaurierung stattfindet denn dann hat Vilnius unserer Meinung nach eine neue interessante Sehenswürdigkeit. Was nach einer Kernsanierung entstehen kann haben wir in Sidney und Vancouver gesehen.

Während in Deutschland monatelang über die Benutzung von Elektro Roller debattiert wird sehen wir sie hier überall. Direkt an der Kathedrale befindet sie eine Station. App vorhalten, automatisch zahlen und losfahren. Keine Reglementierung wo und wie sie fahren dürfen. Das schöne ist es funktioniert reibungslos. Das Gleiche gilt für die Fahrradstationen. Wir haben leider keine Bezahl App und müssen uns bei der Gluthitze weiterhin zu Fuß durch die Gassen hoch und runter quälen. Irgendwann benötigen wir eine Pause und finden in einer Seitenstraße ein kleines Café. Der Kaffee ist hervorragend und das einheimische Gebäck, Namen habe ich vergessen, ist nicht zu verachten. Auf zur nächsten Runde. Apropos Namen. Die können wir uns beim besten Willen nicht merken und wegen der speziellen Schreibweise nicht korrekt schreiben. 

Wir sind vorgewarnt. Trotzdem fahren wir am nächsten Tag mit den Rädern in die Stadt. Silvia nimmt die Straße während ich den Bürgersteig nehme was ein Fehler ist. Abenteuerlich und gefährlich für das Rad und mich. Dann stehen wir vor der Hauptstraße und wissen nicht wie wir rüber kommen sollen. Wir wählen eine andere Variante und müssen unsere Räder die Treppen hoch tragen. Dann geht es durch den dichten Kreisverkehr und nur die Hauptstraße entlang Richtung Innenstadt. Ständig wechseln wir die Bürgersteige mit der Fahrbahn. Immer wieder heißt es absteigen weil unvermittelt Treppenstufen auftauchen. Die Fahrerei ist eine einzige Ganzkörpermassage. Dazu die unerträgliche Schwüle. Wir durchfahren Stadtteile die wir gestern zu Fuß nicht erreichen konnten und landen am Nachmittag wieder im Künstlerviertel. Nach einer kurzen Pause treten wir im wahrsten Sinne des Wortes die Heimfahrt an. Treten in die Pedalen. Silvia mehr als ich denn ich schalte den Turbo an. Es geht nur steil nach oben bis in den Vingio Park hinein. Von hier starten abends die Ballons. Für uns heißt es über die Brücke auf einem engen Fußgängerbereich die Neris zu überqueren. Gutes Gleichgewicht ist gefragt und rechtzeitiges klingeln angesagt damit die Fußgänger in Sicherheit springen können. Unser Camp liegt gegenüber vom Park, es fehlt in diesem Bereich leider eine Brücke. Es hätte so einfach sein können. 

Morgen fahren wir weiter und wollen uns Trakai und die auf einer Landzunge liegende Wasserburg Pilzes Sala und das Schloß ansehen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Kathleen (Mittwoch, 26 Juni 2019 19:09)

    Da wart ihr in Machtebursch meiner Heimat wo ich entstanden bin,da bin ich platt.
    Also eine coole Reise ,ich doofe hab am Ende angefangen zu lesen.
    Also ihr zwei seit der Knaller...ihr solltet Reiseführer rausbringen ...das ist schon so das man Lust kriegt das auch zu sehen..richtig toll.
    Bis bald und danke für die Reise