Teil 5, von Bordeaux nach Marnac

Der Weg aus Bordeaux heraus, führt erst nach Bordeaux hinein. Wir sehen das Warnschild, das andeutet das die Brücke, Pont Jaques Chabon-Delmas, für ein Schiff hochgefahren ist. Ein letztes mal geht es an der Promenade entlang und unübersehbar liegen 2 dicke Pötte am Pier.

Den Besucherstrom werden wir nicht erleben, denn für uns geht die Fahrt Richtung Süden weiter. 

Seit langer Zeit heißt es die Vorräte zu ergänzen. Das Einkaufscenter läßt selbst die amerikanischen Shopping Meilen vor Neid erblassen. Allein die Fischtheke läßt keine Wünsche offen. Nur wissen wir nicht wie wir die Fische in die Pfanne bekommen sollen oder wie man die verschiedenen anderen Früchte des Meeres zubereiten muß. Etliche Töpfe mit frisch zubereiteten Muscheln kommen aus dem Ofen. Es dampft wie in Mutters Küche und riecht phantastisch. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Wir entscheiden uns für eine Scampipfanne, kaufen noch Käse und Baguette, und andere Kleinigkeiten. Danach sind wir für die nächsten Tage gerüstet. Entlang der D10 gibt es einige Möglichkeiten um die Fahrt zu unterbrechen. In Rios, einer kleinen Gemeinde, schlendern wir durch enge Gassen, besichtigen die Zisterne und bestaunen den wuchtigen Stadtmauerturm. 

Es geht weiter an der Garonne entlang über Cadillac, wo wir eine Mittagspause am Stadtrand einnehmen. Die kleinen Törtchen sehen zum Essen eigentlich zu schade aus und schmecken nach mehr. Die Stadt ist von einer hohen Mauer umgeben. Wie so oft erreicht man das Centrum durch ein Tor, für Wohnmobile nicht geeignet.

Heute stehen nur 73 Km auf dem Programm, trotzdem benötigen wir für die Strecke 3,5 Std ohne Besichtigungen. Auf den schmalen Nebenstraßen ist meistens bummeln erlaubt.

Unser heutiges Etappenziel heißt Fontet. Wir stehen am einem schmalen Kanal der von der Garonne abzweigt. Wir haben einen herrlicher Platz mit Blick auf den kleinen Bootshafen und dem angrenzenden Badesee. Der Ort selber besteht lediglich aus wenigen Häusern und einer Burg. Wir wandern am Kanal entlang und bekommen die ersten Eindrücke über unsere morgige Radtour. Hinter uns liegt ein kleiner Weinberg, dessen Trauben aber schon gelesen sind. Der nächste Morgen überrascht uns mit Frühnebel und Kälte. Wir warten bis sich der Nebel verzieht und die Temperatur etwas steigt, bevor wir in die Pedalen treten.

Die Radstrecke am Garonne-Kanal ist eingebunden an den Fernradweg von Bordeaux nach Toulouse. Ab Toulouse könnten wir sogar weiter bis zum Mittelmeer radeln. Zum Glück hat Silvia diese Ambitionen nicht. Gegen die Sonne führt uns das erste Stück nach Meilhan-sur-Garonne. Wir wechseln über alte Brücken ständig die Uferseite. Vor uns dümpeln Boote im Wasser. Etliche sehen nicht mehr fahrtüchtig aus. Auf anderen sitzen Leute am Deck und halten Mittagspause. Es geht den gleichen Weg zurück, wobei wir unseren Stellplatz passieren und in die entgegengesetzte Richtung nach Castets-en-Dorthe weiter radeln. 

Apropos Mittagspause. Bedingt durch meine vielen Fotostops und Silvias Extratouren verpassen wir die Mittagszeit. Es ist 14.30. Während Silvia im Ort nachsieht ob es dort eine Möglichkeit zum Essen gibt, der Weg geht natürlich steil nach oben, warte ich an der Straße am Waschautomaten. Die Franzosen sind praktisch. Gut das es im Dorf kein Restaurant gibt, somit bleibt mir die Strampelei erspart. Am Kanal wird uns lediglich noch ein Wein serviert, den wir aber in Ruhe genießen dürfen. Obwohl Ruhe? Die Bedienung läßt alle Vorhänge runter. Wir verstehen.

Der Wein beschwingt nicht sondern macht müde. Die Sonne prallt vom Himmel. Jeder Anstieg vor den zahlreichen Brücken kostet Überwindung. Deswegen ignoriere ich die unzähligen Hinweise auf Sehenswürdigkeiten.

Habe ich erwähnt, das in Frankreich jedes fitzelige Dorf eine Burg, natürlich hoch oben auf dem Berg, eine historische Kirche oder eine sehenswürdige Ruine hat? Würden wir alle besichtigen wollen kämen wir erst nächstes Jahr nach Hause. Den einzigen Abstecher machen wir in Fontet wo einige Weinberge sind. Die Weinlese ist im vollen Gange. Deshalb hat die Fahrt auch so lange gedauert denn ständig sind wir einem Trecker hinterher getuckert. Überholen unmöglich. 

Am Wohnmobil wird das verpasste Essen nachgeholt und die Route für morgen besprochen. Wir wollen uns langsam nach Osten bewegen, denn es steht noch eine Geburtstags Fete an, die wir nicht verpassen wollen. 

Die D 933 führt uns zurück Richtung Bergerac. Wir befinden uns wieder im Perigore. Es wird bergiger. Maisfelder, verblühte Sonnenblumenfelder und Weinberge bestimmen das Landschaftsbild. 125 Km liegen vor uns. Das Ziel Marnac erreichen wir gegen Mittag. Die Beschreibung des Platzes stimmt. Wir blicken ins Land, wo in einiger Entfernung St-Cyprien zu sehen ist. Kühe grasen auf der Weide und vor unserem Platz halten sich 3 Esel auf. Außer uns. Wir befinden uns in Gesellschaft von Niederländern, Belgiern und Engländern. Die Besitzerin des Hofes veranstaltet jeden Abend ein geselliges Beisammensein mit Kanapees und Wein. Pierre wird morgen für uns Croissants aus dem Ort mitbringen. Wir haben nicht alle Namen behalten, aber es ist eine nette illustre Runde. Vor dem Essen ist aber ein Spaziergang  angesagt. Statt Weinberge gibt es hier in Hülle und Fülle Wallnußbäume. Der Bauer mäht die vertrockneten Sonnenblumenfelder ab, bevor er abends die Kühe von der Weide ruft. Die Kühe gehen anstandslos Richtung Stall, während der Bulle eine Extraeinladung braucht. Männer eben. Zum Aperitif benötigen wir keine spezielle Einladung.

Heute bleiben die Räder im Stall und wir laufen. In St-Cyprien ist Markttag. Schon wieder Markt. Den Tip haben wir gestern Abend erhalten, doch wir wußten nur die Hälfte. Märkte haben wir genug gesehen. Wir kommen ohne Unterbrechung bis zur Fußgängerbrücke die über die Dordogne führt. Wir sind überrascht wie niedrig das Wasser ist. In der Stadt fragen wir eine ältere Dame wo denn der Markt ist. Marche; Markt haben wir behalten. Zusätzlich bekommen wir eine Erklärung über den Grund des Schmücken. St-Cypriens Stadtkern ist nämlich mit Girlanden geschmückt. Wir gehen unter einem Girlanden Himmel und schauen mehr nach oben als nach vorne. In allen möglichen Farben leuchten über uns die Bänder. Von der Vielfalt der angebotenen Speisen sind wir überwältigt. Wie heißt es so schön? Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Wildschweine haben wir heute zwar nicht gesehen, unsere Nachbarn schon, dafür auf dem Hinweg eine schwarze Spitzmaus und auf dem Rückweg ein Alpaka.

Wieder gibt es ein gemütliches Beisammensein mit allen Benutzern des Stellplatzes. Dieses mal mit Unterbrechung, die Esel sind ausgebüchst. Madam Odile, die Besitzerin des Platzes, schafft es mit viel Geduld die störrischen Vierbeiner einzufangen.

Wie es morgen für uns weiter geht wird beim Frühstück besprochen. Für heute gibt es andere Dinge aufzuarbeiten. 

Pierre wird morgen früh zum Bäcker fahren und uns Croissant mitbringen, dann sehen wir weiter.

Die Atmosphäre hier erinnert ein wenig an Bettys RV Park in Louisiana. Dort wurde nur wesentlich mehr getrunken, bes. Whisky in allen Variationen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Judith (Montag, 01 Oktober 2018 09:58)

    Bin jour mesdames, wie schön wieder . L. G. Judith

  • #2

    Marita (Dienstag, 02 Oktober 2018 16:50)

    Hallo Judith
    Wie wahr, aber dieses mal nur für 3 Wochen. Auch für Frankreich viel zu kurz.
    Lg Marita