Teil 4, von Arcachon nach Bordeaux

Nach dem lebhaften Arcachon geht es die Küste entlang nach Süden. Da wir beide keine ausgesprochenen Wasserratten sind und uns das Landesinnere mehr anzieht entscheiden wir uns gegen eine Weiterfahrt nach Biarritz, sondern biegen bei Biscarrosse Plage auf die A 216 nach Navarrosse ab.

Direkt am Lac de Cazaux et de Sanguinet mit Blick auf dem See und den ankernden Booten stehen wir unter Pinien. Mit den Rädern unternehmen wir eine Radtour nach Biscarrosse zum Lac de Biscarrosse et de Parantis. Es geht fast immer am schmalen Kanal entlang der die beiden Seen verbindet. Biscarrosse ist wie ausgestorben. Nur am Culture Center findet eine Öko und Bio Veranstaltung statt. Wir staunen nicht schlecht, denn unter Accordeon und Trommelmusik wird das kleine ausgefallene Karussell von Menschenhand betrieben. Mit Öko Antrieb eben. Alle hatten ihren Spaß. Am Food Wagen stellt sich Silvia 45 Minuten in die Schlange um sich einen Crêpes zu besorgen. Das Warten hat sich gelohnt, meine Hose ist jetzt schmutzig.

Unsere Radtour am Kanal entlang war entspannt. Bei der Hinfahrt zum See wurden wir durch ein Radrennen und einer Triathlon Veranstaltung aufgehalten. Hut ab vor jung und alt die sich die Strecke hinauf gequält haben. Wir merken immer wieder das Frankreich eine Fahrrad Nation ist. 

Abends ziehen am Himmel dunkle Wolken auf und der Wind wird stärker. Ideale Bedingungen für Surfer. Es dauert nur eine Ewigkeit bis der Schirm sich richtig aufgebläht hat und in der Luft steht. Dann heißt es mit dem angegurteten Schirm Richtung Surfbrett laufen in der Hoffnung das er nicht wieder auf den Boden gleitet. Was natürlich prompt passiert. Das ganze Spiel geht von vorne los. Danach nur noch ab und durchs `s  Wasser waten bis man tief genug darin steht. Nichts für mich, denn auf das Brett würde ich niemals kommen. Der Tag endet heute mit etwas Nieselregen. 

 

 

Am nächsten Morgen werden wir von unzähligem Glockengeläut, das von den Booten kommt, geweckt. Auf Nebenstraßen geht es 60 Km nach Bordeaux. Die einzige Übernachtungsmöglichkeit liegt etwa 8 Km vom Centrum entfernt. Da wir am späten Vormittag ankommen haben wir noch genügend Zeit um mit den Rädern in die Stadt zu fahren. Der Weg führt uns direkt zur breiten Promenade an der Garonne. Als erstes zieht es uns in das La Cite du Vine, Weinmuseum. Wir erfahren so einiges über die Geschichte des Weines und können verschiedene Gerüche die mit dem Wein in Verbindung stehen ( oder auch nicht) erschnüffeln. Dazu müssen wir mit dem Handblasebalg nur pumpen und aus den geschlossenen Glasbehältern entströmen die verschiedenen Gerüche. An einem anderen Stand können wir uns ein Menü aussuchen und die dazu passenden Weile aussuchen. Wenn wir falsch liegen wird der Wein umgekippt und entsprechende Kommentare sind die Folge. Der Besuch war ganz schön anstrengend und zeitaufwändig.

Auf der Fahrt entlang der Promenade gewinnen wir einen ersten Eindruck über die Stadt. Die alten, prächtigen Häuser sprechen uns an.

Wir radeln auf der Promenade zurück, passieren die mittlerweile verwaisten Restaurants und Cafés. Links von uns fließt die Garonne mit ihrem schmutzig braunem Wasser und rechter Hand erstrecken sich die prächtigen Bauten des Place de la Bourse. Am Porte Cailhau, auf der Placa du Palais finden wir ein nettes Plätzchen um den Tag bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen. Wir versuchen die Gerüche und den Geschmack des Weines zu ergründen, was uns aber nicht gelingen will. Unsere Sinne müssen noch mehr geschult werden. Dafür haben wir im Urlaub noch einige Zeit. Wichtig ist nur, das der Wein uns schmeckt.

Die Fahrt zurück erweist sich für mich als Tortur. Silvia ist kaum noch zu sehen. Es heißt immer gegen den strammen Wind antreten, der in Böen auf uns zukommt. Auf Dauer ganz schön ermüdend. Am Campingplatz stehen einige Stände wo wir uns mit einheimischer Hausmannskost eindecken können. Entensalami und Salami mit Feigen, dazu Baguette Käse, Oliven und Nüsse. Zum Dessert gibt es einen gedeckten Blaubeerkuchen. Passend zum Essen einen trockenen Weißwein aus der Region.

2. Tag.

Heute nehmen wir den Bus und die Tram C um in die Stadt zu gelangen. Endstation ist die Esplanade des Quinconces. Direkt vor uns ragt das Monument Aux Girondis in den Himmel. Die Säule ist eine Hommage an die Abgeordneten der Gironde, die Opfer des Terrors geworden sind. 

" La Liberte brisant ses chaines", die Freiheit, die ihre Ketten sprengt triumphiert auf einer 43 Meter hohen Säule ( 1897-1901). 

Place de la Bourse.

Nur einige Meter weiter stehen wir an dem Platz der am meisten an Versailles erinnert. Der frühere Place Royal wird mit der Börse zu dem Ort wo im 18. Jahrhundert die Preise der Waren festgesetzt wurden. Im linken Flügel ist heute ein Informationszentrum untergebracht in dem die Geschichte der Stadt im Laufe der Jahrhunderte dargelegt wird. In der Mitte steht der Brunnen der 3 Grazien.

Das Schlüsselelement der Neugestaltung des Platzes ist der größte Wasserspiegel der Welt. Dieser Platz gehört heute, auch für die Einwohner Bordeaux,  zu den beliebtesten Zielen an der Flaniermeile (1869).

Von der gegenüberliegenden Seite der Garonne erreicht man das Centrum Bordeaux entweder über die moderne Brücke " Pont Jaques Chabon-Delmas" in der Nähe des Wein Museums, oder über die alte Brücke "Pont de Pierre". Am Place de Bir Hakeim gehen wir durch die "Porte de Bourgogne" und gelangen in das Stadtviertel Saint - Michel. An der gleichnamigen Basilika haben wir den äußersten Punkt unseres Rundganges erreicht. Mit seinem prägnanten Vielvölkercharakter, afrikanisch, asiatisch, arabisch und portugiesisch bietet das Quartier ein buntes Bild. Vor der Kirche erleben wir einen Trödelmarkt, der schöner nicht sein könnte.

Der 114 Meter hohe Glockenturm neben der Basilika überragt alles. Der Bau geht bis in das 14. - 16. Jahrhundert zurück.

Durch enge Gassen gelangen wir zurück auf die Viktor Hugo und stehen vor der imposanten Glocke. Der historische Bergfried der Stadt ist einziger Überrest des ehemaligen Verteidigungstores aus dem 13. Jahrhundert. Auf seiner Spitze thront ein goldener Löwe, das Symbol der englischen Könige. Die 1775 gegossene Glocke wiegt stolze 7800 Kg.

Nach der Viktor Hugo stoßen wir auf die Fußgängermeile, der Rue Sainte-Catherine und gehen bis zum Porte d` Aquitaine. Auf der Placa de la Victoire ist Zeit für eine kleine Kaffeepause bevor wir die Meile mit vielen Abstechern in die Seitenstraßen wieder hinunter gehen. Die Kathedrale St- Andre ist die einzige Kirche die geöffnet hat. Erbaut wurde sie vom 12.-16. Jahrhundert. Am Ende der Rue Sainte Catherine befindet sich das prachtvolle Theater, das von Victor Louis zur Zeit Ludwigs des XVI erbaut wurde. Auf der Treppe sitzend können wir den Proben der Sänger lauschen und die besondere Atmosphäre genießen bevor wir unseren Rundgang fortsetzen. 

Wir haben es uns verdient. Nach der Lauferei ist eine letzte Pause mehr als verdient. Ein beschauliches Plätzchen zu finden ist in Bordeaux nicht schwierig. Schwieriger ist die Wahl wenn es um das Essen geht. Wir entscheiden uns für eine Tapas Platte. Zum Gericht gehört eine Flasche Wein. Es könnte uns schlechter gehen. 

Auf dem Weg zur Tram Station kommt uns die Bahn entgegen und wir können 2 Stationen vorher einsteigen. Es geht zurück bis zum Park des Expositions und dann mit dem Bus bis zur Bushaltestelle Camping International. 

Wir entscheiden uns abends einen weiteren Tag in Bordeaux zu bleiben, denn wir glauben das die Stadt das eine oder andere noch zu bieten hat. 

Außentemperatur 9°. Die Heizung kommt zum Einsatz. Allerdings soll die Temperatur heute auf 27° steigen. Wir lassen es langsam angehen und radeln am späten Vormittag los. Den Weg kennen wir mittlerweile. Es geht ein böigere Wind, der uns beim Befahren des Pont de Pierre (Brücke) fast umwirft. Das andere Ufer der Garonne stellt sich als nicht so interessant heraus. Allerdings haben wir einen phantastischen Blick auf den Fluß und auf Bordeaux. Heute heißt es mehr genießen als besichtigen. Wir essen Paella und nehmen einen letzten Absacker in der Innenstadt.

Auf dem Rückweg kommen wir beide mit dem Rad ins Trudeln. Silvias Hinterrad rutscht auf einer Kante weg, sie kann es und sich aber abfangen. Obwohl ich vorgewarnt bin verlier ich an der gleichen Stelle das Gleichgewicht und lege mich auf die Nase. Nichts passiert außer einem gewaltigen Schrecken. 

Kultur genießerisch erleben oder Genießen in kultureller Umgebung. Ist egal. Bordeaux hat für jeden etwas zu bieten. Trotz alter Gemäuer ist Bordeaux eine junge Stadt voller Lebendigkeit. Wahrscheinlich auf Grund der Universität scheint das Durchschnittsalter niedrig zu sein. Wohin man sieht junge Leute, ausgenommen die überwiegend älteren Touristen, die nicht schwer zu erkennen sind. 

Vergleichbar wie in Deutschland mit westfälischem Münster, halt nur imposanter und größer.

Es fällt uns nicht schwer manche Gewohnheiten der Franzosen anzunehmen besonders was das Essen und Trinken angeht. Ab Mittag steht bei den Franzosen Wein auf dem Tisch. Egal ob in der Freizeit oder der Mittagspause. 

An die Verkehrsregeln halten sich, besonders die Radfahrer und Fußgänger überhaupt nicht. Einbahnstraßen in falsche Richtung zu fahren ist üblich. Irgendwann haben wir uns angepasst. 

Morgen geht die Fahrt weiter, mal schauen was kommt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Kathleen (Samstag, 29 September 2018 20:54)

    Also Hut ab für die Strecken die ihr zurück legt!
    Die französische Mentalität ist ja schon klasse.
    Ich mag das verrückte und bunte ,der Ökomarkt war sicher crazy.
    ...eure Mahlzeiten mmmhhhh
    geniesst weiter ��
    Ich lese �✌liebe Grüße und passt auf euch auf