Teil 3, Arcachon Bassin

Langsam geht es zur Küste. Wir lassen Bordeaux vorerst links liegen denn für heute ist Regen angesagten wir wollen die Stadt bei besseren Bedingungen sehen. Es wird flacher und flacher. Die Weinberge verschwinden. Dafür tauchen rechts und links neben der Straße Heidegewächse auf. Kiefern/Pinienwälder und die Erika, die in voller Blüte steht. Wolken am Himmel und nur 20°.

Eine Ortschaft geht in die nächste über, ein Kreisverkehr folgt dem Anderen. Die Gegend um das Arcachon Bassin ist bekannt für die Austernfischerei. Heute ist nicht das Wetter um draußen zu sitzen, deshalb sparen wir uns das Austern Essen für später auf. Wir umrunden das Becken bis zum Cap Ferret. Etliche Teile des Küstenabschnittes sind wegen Naturschutz gesperrt. Wir wandern den ausgewiesenen Weg entlang, gehen durch Pinienwälder und atmen die frische Waldluft ein. Der Boden ist sandig. Dieser Küstenabschnitt ist generell zum Baden nicht geeignet, da er eine gefährliche Strömung hat. An beiden Seiten des Gehweges erstreckt sich die Dunes du Cap Ferret. Wir stehen am Atlantik und es fängt an zu regnen. Genau vor 6 Monaten standen wir auf der anderen Seite des Ozeans und etwas Wehmut kommt auf. Im Sand verborgen ragen noch, wie ich glaube, einzelne Bunker aus dem 2. Weltkrieg auf. Auf der anderen Seite des Bassins erkennen wir im Dunst die Dunes du Pilat. Nasser Sand verklummt in meinen Sandalen. Bevor wir noch nasser werden treten wir den Heimweg an, wechseln die Kleidung und machen Kaffeepause im Auto. 

Warten an der Schranke. Wir stehen mit dem Hinterteil auf der Straße und müssen uns das Hupen der Autofahrer anhören. Aber was sollen wir machen. In Arcachon werden wir heute übernachten und den morgigen Tag verbringen. Ich ahne böses. Wir befinden uns an der Küste und es geht mal wieder nur bergauf. Der Campingplatz befindet sich, wie könnte es anders sein, auf einem Berg. Ich glaube dem höchsten der Umgebung. Der Platz ist weitläufig und wir stehen unter den Bäumen im Schatten. Nur völlig windschief, das Abwasser fließt schlecht ab. Aufbocken ist zwecklos. Das Stromproblem lösen indem wir weiter weg eine freie, intakte Stromquelle finden. Erst mal heißt es Geräte aufladen. Danach laden wir unseren Akku  mit Spagetti und Pesto auf. Morgen werden wir die Räder nehmen und uns die Gegend ansehen. 

Das Bild zeigt keinen Wasserturm und auch keinen Aussichtsturm, sondern einen Aufzug. Jawohl. Es ist hier so steil, das für Fußgänger und auch Radfahrer ein Aufzug bereit steht. Am Ende des Parc Mauresque können wir bei der Rückfahrt bequem einen Teil des Anstieges mit dem Aufzug bewältigen. Runter schaffen wir es mit der Handbremse alleine. Wir besichtigen den Wochenmarkt, fahren an der Promenade entlang und bummeln durch die Stadt bevor es weiter zur Düne Pilat geht. Ein gut geführter Radweg, teils an der Beach entlang, teils durch Pinienwälder oder durch noble Vororte erwartet uns. Natürlich nie flach, sondern moderat auf und ab.

 

Die Welt ist doch klein. Hier in Arcachon treffen wir Betty Boop wieder, die wir auf der Route 66 bereits gesehen haben. Nur dort war sie passender als hier in der Markthalle am Fischstand. Aber ebenso bezaubernd.

 

Nach nur 10 Km erreichen wir den Parkplatz an der Düne Pilat. Der ist so voll, voller geht es nicht. Es ist Samstag und dementsprechend herrscht Massenandrang. Wir lassen die zahlreichen Souvenierstände links liegen und begeben uns mit der Besuchermasse zu der Düne. Der nasse Sand, am Vortag hatte es geregnet, ist eine Wohltat für die Füße. So können auch die Socken beim Aufstieg nicht qualmen. Bevor es qualmt muß es brennen. Meine Waden sind hart wie Beton. Sie brennen und schmerzen wie verrückt. Ich gestehe, den Aufstieg schaffe ich nur zähneknirschend und mit Nichtbeachtung der Schmerzen. Die Tortur hat sich aber gelohnt. Oben sehen wir das gesamte Ausmaß der Düne, die bis zum Arcachon Bassin hinunter reicht. Wir finden ein freies Plätzchen und können das Panorama mit unzähligen anderen Besuchern genießen. 

Angeblich sollen die Bewohner dieser Region mindestens einmal pro Woche Austern essen, was eigentlich auch nahe liegt da sie hier gezüchtet werden. Heute ist der passende Tag für mich um  diese Früchte des Meeres zu probieren. Bislang empfand ich sie einfach nur zu salzig. Ich muß meine Meinung revidieren, sie schmecken mit etwas Zitronensaft und einem Baguette einfach köstlich !?. Ich schmecke die Zitrone, war wohl zu großzügig damit, sonst eigentlich nichts. Muscheln haben mehr Geschmack, und sagen mit eher zu.

Silvia ist mit ihren Calamaris überaus zufrieden. Wir sitzen an der Plage Pereire im Schatten, genießen das Essen und den Wein und sind rundum zufrieden, Die 2 Km bis in die Stadt schaffen wir auch noch. Es gibt ja für das letzte Stück den Aufzug.

 

Bilderbuchwetter, schöner kann ein Spätsommertag nicht sein. Die Stadt ist voller Leben, die Strände gut besucht. Man sonnt sich, geht baden, spielt Fußball oder trommelt was das Zeug hält. Die Cafés und Restaurants sind bis auf den letzten Platz besetzt. Wir gehen bummeln und Silvia möchte schoppen. 

Dann heißt es zurück zum Campingplatz. Ich stelle mich am Aufzug an und fahre bequem nach oben. Silvia wählt die andere Variante und fährt mit dem Bike hoch. Wir kommen gleichzeitig im Park an, aber nur weil ich einige Zeit auf den Aufzug warten mußte.

Durch den Pinienhain heißt es aber für uns beide schieben. Steiler Anstieg auf sandigem Boden. Oben angekommen sprechen uns kleine Kinder auf französisch an und Quasseln uns voll. Wir verstehen kein Wort. Die Mutter gesellt sich dazu und auf englisch entsteht eine nette Unterhaltung. Danach noch 300 Meter weiter zum Camp. Bis die Mücken zu lästig werden sitzen wir draußen und lassen den Tag Revue passieren. 

Am nächsten Morgen schmerzt bei mir alles im Becken und Hüftbereich. Ich glaube wir müssen darauf achten gerader zu stehen.  Wir verlassen heute Arcachon und wollen weiter nach Süden fahren. Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0