Ausgebremst

Wir sind in San Diego gelandet und wollen hier, bevor es nach Mexiko geht, noch einmal einen Versuch starten um den ABS Fehler beheben zu lassen. Im Internet steht jedenfalls Fiat Repair und die Werkstatt heißt " Autohaus Munich".

Wenn das kein gutes Omen ist.

Es ist aber Sonntag und die kleine, unscheinbare Werkstatt hat natürlich geschlossen. 

Darum werden wir den Tag anders gestalten. Es wird wieder militärisch.

Dieses Mal ist es die Navi.

Am Harbour Drive liegt der Flugzeugträger USS Midway. Jetzt ein Museum. Die Parkgebühr von 16 $ ist fast genau so teuer wie ein Ticket. Wir steigen zahlreiche schmale Treppen hoch, bewegen uns durch enge Gänge mit Stolperfallen und befinden uns dann auf dem Flugzeugdeck. Eine riesige Fläche, auf der die Flugzeuge geparkt werden und auf See landen. Bei der Besichtigung des Innenraumes kann man sich verlaufen. Große Menschen werden krumm vom ständigen bücken. Ohne Wegweiser hätten wir völlig die Orientierung verloren. Für Monate in so einem Bauch zu leben und zu arbeiten wäre für mich der absolute Horror. 2,5 Stunden hat die ausgiebige Besichtigung gedauert. Es wird bereits dunkel als wir uns auf dem Weg zum Pilot machen. 48 Km zu fahren sind besser als für über 70 $ auf einem Campingplatz zu stehen. Wir haben unten am Wasser nur eine kurze Picknick Pause gemacht. An der Küste ist es wieder kälter und bewölkt.

Am nächsten Morgen also wieder zurück in die Stadt. Der Besitzer vom Autohaus Munich schmunzelt leicht als wir ihm unser Problem schildern. Er will nur das Baujahr wissen und meint, kein Problem. Wir füllen ein Auftragsformular aus und sollen den Wagen dort lassen. Er will uns per Handy Nachricht geben wann wir wieder kommen sollen.

Hört sich einfach an und wir sind " guter Hoffnung". Dann erklärt er uns noch den Weg zum Starbucks. Hier sitzen wir nun und verplanen unsere Zeit, essen wie immer einen Cinnemon Roll, dazu Kaffe und Cappuccino . Wir befinden uns in einem Vorort von San Diego und die Umgebung sieht nicht danach aus das wir sie unbedingt sehen müssen. Mal schauen ob uns heute noch Zeit bleibt um die Stadt und Downtown zu besichtigen. Was wir bis jetzt bei der Durchfahrt gesehen haben sah viel versprechend aus. Zudem scheint, wenigstens im Moment, die Sonne. Ansonsten werden wir noch einen Tag dran hängen. Wir sind ja nicht in Urlaub, wo alles straff abgefahren und abgearbeitet werden muß. 

Deshalb werden wir auch wieder den Weg Richtung Palm Springs einschlagen und bis Banning zurück fahren. Hört sich bekloppt an, aber wir wollen dort Ursula und Dale treffen die wir in Albuquerque getroffen, und die uns zu sich nach Hause eingeladen haben. Werkstatt und Besuch bei den beiden wollten wir kombinieren. Wir waren auf Grund ihrer Mail im Glauben sie wohnen in der Nähe von San Diego. Für amerikanische Verhältnisse mag es stimmen, aber für Europäische nicht unbedingt. Schlappe 200 Km geht es noch einmal in die andere Richtung. Für uns wird es bestimmt ein toller Abschluss in Amerika sein, besonders dann, wenn das Auto auch noch repariert werden kann.

Danach wollen wir bei Tecate über die Grenze gehen. Tijuana ist uns zu groß. Wir merken beide, das wir mit unseren Gedanken mehr in Mexiko sind und wir mit dem ersten Teil der USA Reise langsam abschließen. Besonders bei mir macht sich eine gewisse Anspannung bemerkbar. Silvia bleibt Gott sei Dank gelassen, während ich zunehmend kribbeliger werde und nachts schlecht schlafe. Bei Pilot konnte ich letzte Nacht um 4.00 Uhr wenigstens aufstehen, in den Shop gehen und den letzten Blogeintrag zu Ende führen.

Je nach dem wann das Auto abgeholt werden kann geht es zum AAA, dem amerikanischen ADAC um Straßenkarten von der Baja zu erhalten. Von Stefan und Yasmin haben wir den Tipp für die Overländer App erhalten. Eine spezielle App für Reisende auf der Panamerikana. Dort stehen alle Informationen die für uns wichtig sind. Vergleichbar mit der All Stays App.

Gegen 14.00 Uhr kommt die Mail von Leszek. Der Fehler konnte nicht ausgelesen werden und ob wir morgen noch einmal kommen können. Dann will er den Wagen aufbocken und schauen ob er etwas findet. Außerdem rät er uns für Mexiko die Reifen wechseln zu lassen. Bes. vorne. Was sollen wir machen, das die Reifen irgendwann hin sind dachten wir uns schon. Also gut. Noch ein Tag in San Diego. Wir können auf dem Hof übernachten, umgeben von vielen kleinen Werkstätten, Läden und einer Bierbrauerei. Bay City Brewing. Wir erhalten Strom und sind bestens versorgt. Es ist kurz vor 6.00 Uhr und Zeit für ein Bier. 

Hinter der Theke steht Audrey. Quirlig und immer gut gelaunt. Wir machen eine Kostprobe und haben bald ein passendes Getränk gefunden. Die Brauerei füllt sich schnell. Wir lernen Brian kennen, machen eine Führung mit und treffen Donald Trump. Jetzt kann die Nacht kommen. Am nächsten Tag geht es wieder zum Starbucks, erst einmal frühstücken. Danach ziehen wir durch die Straßen. Checken die Mails und warten auf Leszek`s Nachricht. 13.30 Uhr kommt die Mail, car ready. 

Na ja, ganz so ready war das Auto nicht. Der Fehler beim ABS wurde gefunden. Da hat doch ein blöder Nager im Organ Pipe NP ein Kabel durchgeknabbert. Der Schaden konnte nur provisorisch behoben werden, weil das zu ersetzende Teil nicht zu bekommen ist. Macht aber auch nichts, Hauptsache es funktioniert. Die Reifen hat er leider nicht gewechselt. Sind teuer. Als er uns den Preis nennt, stellen wir fest, das sie billiger sind als in Deutschland. Die Bremsen und die Fahrspureinstellung müssen auch noch gemacht werden. Wir verbringen den Nachmittag in Downtown und schauen uns die Horton Plaza an, bevor wir bei Einbruch der Dunkelheit zurück auf den Hof fahren. Heute nur ein kurzer Abstecher auf ein Bier zu Audrey. Da bis auf uns keine Gäste da sind, hat sie Gelegenheit auf ein längeres Schwätzchen. Zum Abschied erhalten wir je ein T Shirt der Brauerei. 

Verrückt und abermals verrückt. Wir sind nicht in Jamaika, sondern am Boardwalk und begegnen den kuriosesten Typen. Wir hoffen das in Deutschland die Jamaika Koalition nicht auf den Hund kommt. Wäre aber nicht schlimm, sieht doch toll aus. Unseren dritten Tag in San Diego verbringen wir wieder mit Warterei und Besichtigungen. Von uns aus kann es aber heute weiter gehen. 

 

 

Klick mich an

Heute heißt es wieder warten auf die Dinge die da kommen oder auch nicht. Wir leben nun wie die Amerikaner. Frühstück außer Haus, bei Starbucks. Checken Mails, die nicht kommen, lesen Nachrichten und schreiben die Homepage. Es ist richtig trödelig. Wir haben beide keine Lust auf anderweitige Beschäftigung und sehnen uns nur nach einer Nachricht von Leszek. 3.00 Uhr dann: Car ist ready. Und wirklich, neue Reifen sind aufgezogen, Bremsen und Spureinstellung in Ordnung gebracht. Der rechte Vorderreifen, in dem die Schraube steckte war von innen zusätzlich völlig zerfetzt. Zum Dank erhält die Mannschaft von uns einen Christstollen. Heute haben wir nur noch Zeit zu dumpen und nehmen sein Angebot eine weitere Nacht bei ihm zu stehen dankend an. Als wir ankommen liegt das Verbindungskabel für Strom draußen. Pünktlich um 17.00 Uhr macht die Werkstatt, wie wir feststellen konnten Schluß. In der Brauerei steht heute Maria hinter der Theke. Die anderen sind shoppen. Wir lassen uns das Internet Passwort geben und ich kann im Auto drauflos tippen. Mein Gott, ist das schön.

Morgen geht es weiter. Wo wir genau landen werden steht noch in den Sternen. Am Wochenende sind wir, wenn nichts dazwischen kommt in Banning bei Dale und Ursula.

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