Vom Valley of Fire gen Westen

Im Gegensatz zu Deutschland ist die USA natürlich riesig. Wenn man aber alle Brachflächen und die endlose unbewohnte Wüstenlandschaft von der Gesamtfläche abrechnet, steht Deutschland nicht mehr ganz so klein da.

Die Wüsten Arizonas und New Mexikos kennen wir mittlerweile zu genüge. Immer die gleiche langweilige Eintönigkeit die an uns vorbei fliegt. Wären da nicht die plötzlich auftauchenden Besonderheiten die auch diese Landstriche so interessant machen.

45 Meilen nordöstlich von Las Vegas entfern liegt das Valley of Fire.

Wie aus dem Nichts tauchen sie auf. Rot goldene Felsen die in der Sonne leuchten. Je mehr es ins Tal hinab geht, um so unwirklicher wird die Landschaft. Bizarr, wild und schön. Wenn jetzt ein Dinosaurier auftaucht wäre ich nicht überrascht. Er paßt einfach in dieses Bild.

Hier leuchtet kein Reklameschild, sondern die Natur. 

Mein Kopf leuchtet ebenfalls ein wenig, denn ich komme aus Las Vegas mit einer Erkältung, Fieber und so weiter. Merke es aber erst am Abend, nachdem ich 2 Wanderungen mühsam hinter mich gebracht habe.

Innerhalb des Parks gibt es die White Domes Road, eine 5.5 Meilen Stichstrasse. Von hier haben wir viele Möglichkeiten für kleine Wanderungen. Wir rollen das Feld von hinten auf und beginnen mit dem White Domes Loop. Wir gehen auf hellgelben feinen Sand bergab, bevor es dann steil und ausgesetzt hinunter geht. Die Felsen leuchten ja nach Sonneneinwirkung golden und rot. Das Gestein ist sehr bröselig und klingt hohl wenn wir darauf klopfen. Am tiefsten Punkt gehen wir durch einen engen Canyon. Der Aufstieg ist moderat. Nach einer Stunde ist der Loop geschafft.

Leider ist nach diesen Wanderungen für mich vorerst Schluß. Etwas Fieber , Schnupfen, Husten, dicker Kopf. Mir bleibt nichts anderes übrig als das Bett zu hüten und etwas Zeit damit zu verbringen Bilder zu löschen. Silvia muß sich leider noch einmal mit meinem Fahrrad beschäftigen. Wir haben einige kleine Löcher übersehen. Wie es scheint ist der Schaden aber jetzt behoben. Die Wanderung zur Wave wollten wir am nächsten Nachmittag bei besseren Lichtverhältnissen noch einmal machen, daraus wurde aber leider nichts.

Nach drei Tagen geht es über Las Vegas weiter ins Death Valley. Wir haben nur 24 Grad. Im Park selber sind es lediglich 28 Grad. Also angenehm kühl. Der erste Stop erfolgt am Zabriskie Point. Hier haben die Felsen ganz charakterliche Formen. Das Gestein ist hell und hebt sich vom Gebirge im Hintergrund farblich ab.

Wir haben die Erfahrung gemacht das es besser ist nicht zu spät die Camps anzufahren. Deshalb sparen wir uns heute den Weg hinunter und nehmen uns das für morgen vor.

Morgens schon 28 Grad. Es wird heißer. Die Nacht war bereits nicht angenehm. Es ist besser früh aufzubrechen. Am Zabriskie Point sind wir nicht die ersten. Silvia muß eine Wandergruppe fotografieren, danach machen wir uns auf den Weg. Das erste Stück ist steil, später geht es moderat weiter hinunter. Noch steht die Sonne nicht hoch genug und wir gehen teilweise im angenehmen Schatten. Unten sitzen 2 ältere Männer, die trotz GPS Gerät wohl die Orientierung verloren haben. Sie finden den Ausgangspunkt ihrer Wanderung nicht mehr. Sie gehen zum Zabriskie Point in der Hoffnung von dort zum Startpunkt der Wanderung mitgenommen zu werden.

Da haben wir es einfacher. Da ich gesundheitlich alles andere als " auf der Höhe" bin, gehen wir nur bis zur Talsohle. Ein weiterer Punkt ist das Badwater Basin. Der tiefste Punkt des Death Valley. Wir befinden uns 86 Meter unter dem Meeresspiegel. Ein Trampelweg führt geradewegs zum Lake. Die Erdkruste ist momentan nicht schneeweiß aber auch so ein einmaliger Anblick. Wer glaubt das hier  kein Leben herrscht irrt sich. Direkt vor unseren Füßen läuft ein Kit Fox unbekümmert vorbei.

Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher über den Artists Drive. Es geht hinein in enge Schluchten. Die One Way Route ist nur für kleinere Fahrzeuge unter 25 Feet freigegeben. Am Palette Point zeigen uns die Felsen warum der Name Palette Point entstanden ist. Hier leuchten sie in verschiedenen bunten Farbnuancen. Den Nachmittag genießen wir im Schatten des Autos. Heute ist es wesentlich heißer als gestern. Abends kommt zudem ein unangenehmer warmer Wüstenwind dazu. Die Nacht wird unangenehm. Morgens eine Temperatur von 29 Grad. Zeit den Park zu verlassen. Im Gegensatz zu den Siedlern, die im Jahre 1949 auf dem Weg in den Westen eine vermeindliche Abkürzung durch das Death Valley machten, und viele ihr Leben hier verloren, haben wir es besser. Wir setzen uns ins Auto, machen die Klimaanlage an und fahren los.

Vom Bild auf dem T Shirt sind diese beiden Damen noch weit entfernt. Aber Hut ab, stramme Leistung. Selbst Silvia ist nicht auf die Idee gekommen hier mit dem Rad zu fahren.

Wir verlassen die kleine Oase am Furnache Creek und hoffen morgen auf angenehmere Temperaturen.

Wir bleiben auf der 190 und passieren bei Stovepipe die Mesquite Flat Sanddünen. Sie sind nicht so imposant wie wir geglaubt haben. Deshalb geht unsere Fahrt zügig weiter. Der Towne Pass mit einer Höhe von 1511 Metern ruft.

Heute darf ich entscheiden wo wir Schluß machen. Wir möchten noch etwas feiern denn es ist der 24.10. Außerhalb von Lone Pine finden wir ein tolles Plätzchen. Abends müssen wir allerdings mit dem Auto in den Ort. Wir fahren Essen. Mit meinen neuen T Shirts errege ich bestimmt Aufsehen und die Leute denken ich würde sie vor Hunger fressen. Deshalb kleide ich mich normal.

Endlich ist er da, der Herbst. Nach Wochen in den Wüsten Arizonas und New Mexikos sehen wir in Bishop das erste mal. Welch ein herrlicher Anblick. Der goldene Oktober macht seinen Namen alle Ehre. Wir sehen zwar keinen Indian Summer, aber uns reicht es auch so. Dabei ständiger Sonnenschein der alles zum Leuchten bringt. In Bishop kommen wir auch auf die Schnapsidee zum Friseur zu gehen. Ein großer Fehler. Ein Rasenmäher hätte wahrscheinlich bessere Arbeit geleistet. Die Haare sind zwar kurz aber total verschnitten. Unsere Augen leuchten bei unserem Anblick nicht. Silvia wird sagen ich übertreibe aber ich sage nur die Wahrheit.

Auf unserer Weiterfahrt auf der 395 passieren wir Seen die nicht unterschiedlicher sein könnten. In Mammoth Lake sind die Seen stufenförmig angelegt und umrahmt von Bergen oder Wäldern. Wogegen der Mono Lake ein Salzsee ist dessen Tuffas am Ufer die Besonderheiten darstellen. 

Immer die Sierra Nevada zu unserer Linken biegen wir bei Lee Vining auf die 120 ab und durchqueren der Yosemite NP.

Der Yosemite, sowohl von der Westküste als auch von Las Vegas gut zu erreichen, ist im Sommer ein phantastisches Wandergebiet. Jetzt im Herbst natürlich auch, aber alle Camps innerhalb des Parks haben seit September geschlossen. Überall sind Service Kräfte dabei die Anlagen winterfest zu machen. 

Dabei sind Schneereste vom letzten Winter noch überall zu sehen. Die Wälder verhindern immer wieder den Blick in die Ferne. Riesige Findlinge liegen verstreut herum. Die Felsen sind wie abgeschliffen und glatt. Innerhalb des Nationalparks liegt ein Badesee und wir sehen mutige die das kalte Wasser nicht abschreckt. Den Yosemite werden wir nicht weiter erforschen, denn wir wollen ja gen Westen. Wir machen es so wie früher die Siedler. Wir wählen eine Route die in diversen Reiseführern nicht angegeben ist und wählen unseren Weg selber, nicht wissend was uns erwartet.

Wir passieren viele kleine Ortschaften, fahren gemütlich durch liebliche hügelige Landschaft. Das gelbe Gras bildet einen tollen Kontrast zu den Bäumen. Es geht eine Passstraße hinab und sehen Hausboote auf den unzähligen Seen. 

 

Gut zu wissen, das die Feuerwehr hier top in Form ist.

Nein, Silvia versucht nicht hier zu tanken weil die andere nicht mehr zu gebrauchen ist. 

So alt die Stadt auch aussah, sie gehen mit der Zeit.

Meine Zeit ist um. Ich sitze bei Starbucks irgendwo an der "49".

Wir sind gespannt wann wir den Westen erreichen. Noch haben wir beide nicht das Gefühl in Kalifornien zu sein.

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