Route 66

2500 Meilen, von Chicago bis Los Angeles, quer durch die USA ist die Route 66 heute nur noch in Teilabschnitten zu fahren. Die Interstate 40 hat die Mother Road, die alte transkontinentalen Straße, abgelöst. 

Wir sind von Albuquerque bis Topock die meisten Teilabschnitte gefahren und haben den Eindruck gewonnen, die Mutter ist zumindest in diesem Bereich, pflegebedürftig geworden. Oder andersherum gesagt, sie wurde nicht gut gepflegt und hat einige Druckstellen.

 

Wer den Mythos der Route 66 erleben will wird wahrscheinlich enttäuscht. 

Die Vorstellungskraft muß schon sehr groß sein. Im Nachhinein glaube ich besser ist es mit einer großen Tüte Popcorn einen Road Movie anzusehen. Thelma & Louise, Easy Rider oder Bagdad Café mit Marianne Sägebrecht lassen grüßen.

Es ist aber nicht alles schlecht. So haben wir in Ash Fork eine urige Tankstelle  entdeckt. Rock & Roll Musik tönt aus den Lautsprechern und alte Autos aus den 50 Jahren parken am Straßenrand. 

Wenn nur der Kommerz mit den vielen Souvenirläden, bunten Fähnchen und Reklameschildern, die nichts mit der "guten alten Zeit" zu tun haben überall vor zu finden wären.

Seligman, ein kleiner Ort, der durch eine Reportage auch bei uns in Deutschland bekannt wurde. Im Jahre 1978 als die Interstate 40 den Ort ins Abseits gedrängt hatte, setzte sich Angel Delgadillo für den Erhalt der Route 66 als State Historic Route ein und ist mit verantwortlich für die Wiederbelebung von Seligman. Der Barbershop und er selber haben heute Kultstatus. Mit seinen 90 Jahren steht er immer noch  vormittags am Stuhl.

Man stelle sich vor, von einem Tag auf den anderen findet niemand der Durchreisenden mehr den Weg durch den Ort. Von der Route 66 kann man den Straßenverkehr auf der I 40 beobachten. OK, die Initiative hatte Erfolg, aber mit der Zeit wurde aus dem Ort ein einziger Touristenrummel. Überall Souvenirläden, Reklameschilder, Kitsch. Anstatt zu versuchen den alten Flair zu bewahren wurde genau das Gegenteil gemacht. Trotz allen finden wir auch hier noch vereinzelt einige interessante Hinweise auf die "gute alte Zeit".

James Dean, Marilyn Monroe, John Wayne, Elvis Presley, Ingrid Bergmann und wie sie sonst noch heißen finden wir in lebensgroßer Pappmaschee Figuren oder auf  diversen Blechbildern. Der Kauflust in den Geschäften sind keine Grenzen gesetzt.

Interessanter sind für mich die alten Autos, die mehr oder weniger vor sich hin rosten.

Im Gegensatz zu mir geht Silvia gerne shoppen und wird nach langem suchen endlich fündig.

 

Nein, dieses Tuch nach Easy Rider Manier um den Kopf gelegt wird es nicht. Wir sind ja keine Niederländer. Die Verkäuferin hatte ihren Spaß, besonders als ich mir versuchsweise auch ein Tuch umgebunden haben. Ich hatte die Lacher auf meiner Seite. (Ha Ha)

Kaufen, essen, trinken und Bingo spielen. Der Laden war für alles ausgestattet. Mit dem Bier sitzen wir and der Theke und schauen auf die Straße wie zur guten alten Zeit. Wenn doch jetzt nur James Dean in seinem Cabriolet vorbei fahren würde.

Eine Straße weiter sehen wir den Verfall. Auch an der Main Street verlassene Häuser und vom Unkraut überwucherte Gärten.

Wir treffen in Seligman Sita und Joe aus Krefeld, früher 2 leidenschaftliche Biker, die zuletzt 2009 hier waren. Sie sind wie wir enttäuscht von dem was sie nun vorfinden.

Abends beim Essen treffen wir sie wieder und verbringen einen feucht fröhlichen Abend zusammen. 

 

Nach Seligman verläuft die Route 66 abseits der I 40. Wir kommen in Hackberry an und treffen hier auf eine Gruppe Biker. Die ehemalige Tankstelle fungiert heute auch als Souvenierladen ist aber innen toll aufgemacht.

Nach Hackberry kommt der tollste Streckenabschnitt. Gott sei dank ist die Straße nicht mehr aus den 50 Jahren sondern im guten Zustand.

Es geht hinauf ins Gebirge. Eine schmale Fahrspur, an den Straßenrändern keine Absicherung, die uns daran hindern könnte in den Abgrund zu stürzen. Hier verstehen wir warum die Interstate gebaut wurde, denn die Straße war irgendwann hoffnungslos überlastet und gefährlich. Einige Schrotthaufen sind im Hang zu sehen.

Wir nähern uns Oatman. Die Wildesel an und auf der Straße sind ein bekanntes Bild in diesem alten Gebirgsdorf. Innerhalb des Ortes laufen sie frei herum und lassen sich füttern. Die Jungtiere haben alle einen Zettel auf der Stern kleben mit der Aufschrift " don`t feet".

 

Silvia ist von den Harleys hell auf begeistert. Am liebsten hätte sie sich eine geschnappt und wäre davon gedüst. Der Touristenrummel ist extrem, eigentlich hatten wir auf einen ruhigen Ort gehofft.  Aber was soll es . Wir versuchen uns die bunten Windspiele und die vielen Sonnenblumen und Figuren aus Filz weg zu denken und passen besser auf nicht in Eselmist zu treten. In dem Moment, wo wir weiter wollen beginnt natürlich eine Western Show auf der Straße, wir sitzen im Auto fest und schwitzen ist angesagt.

Das Schild ist zweifelsfrei nicht mehr "Historic". Ich weiß mit Sicherheit, das es zur Zeit der Route 66 noch kein "Free WIFI" gab.

Die Zeiten ändern sich und somit auch das Straßenbild der ehemaligen Route 66.

Für uns zum Nachteil. Trotzdem lebt in unseren Köpfen der alte Mythos weiter, aber noch einmal sehen müssen wir die Mother Road nicht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Gabi (Sonntag, 22 Oktober 2017 21:24)

    Liebe Grüsse aus Mönchengladbach ,tolle Berichte ,tolle Fotos wünsche euch viel Spass und noch viele schöne Erlebnisse und Begegnungen

  • #2

    Dani (Dienstag, 24 Oktober 2017 16:51)

    Heute noch keinen aktuellen Eintrag (24.10.) entdeckt, also Kommentar auf diesen Tag:

    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum Geburtstag liebe Marita!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Ich hoffe, Ihr habt einen TOLLEN, einen MEGATOLLEN Tag. Geht es noch besser als wie bisher???