Mein kleiner grüner Kaktus

Im südlichen Arizona, nahe der mexikanischen Grenze, 

liegt der Organ Pipe Cactus Monument Park.

In der Abgeschiedenheit, inmitten von stacheligen Kakteen,

werden wir die nächsten 3 Tage verbringen.

Bev0r wir das letzte Stück zum Park zurücklegen durchqueren wir das kleine Städtchen Ajo. Der Ort ist ein Vorgeschmack auf Mexiko. Die Architektur ist stark mexikanisch angehaucht. Unter schattigen Arcaden gönnen wir uns vor der Weiterfahrt einen Kaffee und Cappuccino. 

Die Straße zum Camp führt direkt weiter zur mexikanischen Grenze. Auf der gegenüberliegenden Seite Border Patrol Posten. Vom Camp bis zur Grenze sind es nur  

5 Meilen.

Der Aufenthalt im Park wird ein wenig getrübt durch die politische Realität. Vom Camp aus sehen wir in der Ferne die Mauer, die beide Länder trennt. Bei einem Besuch des Grenzüberganges kommen noch Maschendrahtzäune hinzu. Alles ist doppelt gesichert. Die Border Patrols fahren in regelmäßigen Abständen auf dem Sandstreifen die Grenze ab. Auf dem Campplatz werden wir gefragt ob uns bei unserer Wanderung auf dem Victoria Trail Verdächtiges aufgefallen ist. Es haben wieder einige Menschen geschafft die Grenze illegal zu überwinden und halten sich momentan irgendwo im Gelände auf. Wir werden aufgefordert alles Ungewöhnliche zu melden. Ich weiß nicht, was wir gemacht hätten wenn wir unterwegs nicht nur leere Wasserkanister, sondern auch Menschen getroffen hätten. Abgesehen davon ist es hier sehr erholsam. Wir lassen die Seele baumeln, genießen die Natur, beobachten die Tiere. Zu dieser Jahreszeit ist der Park noch wie ausgestorben. Saison ist erst später wenn die Temperaturen angenehmer sind.

Endlich ist es so weit. Silvia hat sich durchgesetzt. Auch ich trage jetzt hin und wieder Hut. Ungern zwar, denn darunter schwitze ich so stark, das die Haare klatsch naß sind. Einziger Vorteil, man sieht es nicht.

Aber der Hut ist eine kleine Fotosession wert.

Da die meisten Tiere der Wüste nachtaktiv sind sehen wir nicht viele.

Wir müssen schon genau hinschauen um welche zu entdecken. 

 

Sunrise und Sunset bescheren uns tolle faszinierende Farbspiele. Es wird nie langweilig einfach nur da zu sitzen und in aller Ruhe abends den Tag zu verabschieden und morgens bei einer Tasse Kaffee zu begrüßen.

Da können wir uns nur anschließen.

 

Wir müssen unsere Pläne ändern. ABS, Hill Holder und ESC sind nicht verfügbar. Es piept und die Kontrolllampen sind an. Gut das es am Visitor Center Internetverbindung gibt und wir entsprechende Werkstätten finden. In Tucson werden wir bei Fiat sofort abgewimmelt, haben keinen Auslesecomputer. In Phoenix gäbe es eine Werkstatt die eines hat. Adresse und Name der Werkstatt sind nicht bekannt. Wir suchen wieder, werden fündig, und kommen kurz vor Schließung bei Fiat an. Können uns heute nicht mehr helfen und wir sollen am Montag wieder kommen. Wir merken schon das sie nicht begeistert sind. Die Suche nach einem Campingplatz erweist sich als hoffnungslos. Überall nur Mobilhome und RV, aber ab 55+. Wir dürften beide hier übernachten, aber das Office ist nicht besetzt und die Atmosphäre entspricht nicht unseren Vorstellungen. Senioren in ihren Elektroautos mit Golfmützen. Phoenix ist schlichtweg das Rentnerparadies. Ab Oktober kommen noch die ganzen Kanadier hinzu. Dann tanzt hier der Bär. Wir also wieder quer durch die Stadt und stehen letztendlich bei Walmart. Am nächsten Morgen sehen wir das Schild No Overnight. Zu spät. Heute schauen wir uns die historische Westerstadt in Scottsdale an. Daraus wird jedoch nichts. Ich höre am re. Vorderreifen ein klackern und nehme an, das sich ein Stein festgesetzt hat. Bei der nächsten Gelegenheit schaue ich nach und entdecke eine dicke Schraube im Reifen. Schiet. Wo ist eine Werkstadt in der Nähe? Keine Ahnung. Wir zurück nach Fiat, die haben auch Samstags auf. Können nicht helfen weil die Reifengröße nicht da ist !? In der Nähe ist eine Tire Werkstatt, die wir anfahren sollen. Wegbeschreibung, keine Adresse. Und wo landen wir, wieder bei Walmart. Gleich um die Ecke befindet sich der Discount Tire. Sie schauen sich den Schaden an, machen ein Protokoll und meinen in 2-3 Stunden sollen wir wieder kommen.

Uns ist das Lachen trotzdem nicht vergangen. ( Silvia zumindest nicht.) Sie hat mal wieder ein nettes Lokal entdeckt wo wir eine Kleinigkeit essen können. Doch Kleinigkeiten gibt es in USA nicht. Alles ist riesig, auch unsere Portionen. Nach 2 Std. der Anruf aus der Werkstatt. Wir können das Auto abholen. Ich hoffe nur mit fahrtüchtigem Reifen. 

Positive Überraschung. Der Reifen ist repariert und das auch noch ohne Kosten. Mit einem Lächeln wünscht uns der Service Mann eine gute Fahrt und weiterhin viel Spaß. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.

Für weitere Aktivitäten ist uns die Lust vergangen. Wo Übernachten wir? Das gleiche Spiel geht von vorne los. Suche ergebnislos, nur weit außerhalb der Stadt evtl. möglich. Also dieses Mal ein anderer Walmart wieder mit No Overnight. Wir fragen aber und dürfen stehen bleiben. Das Bier ist getrunken, nur noch in aller Ruhe eine Zigarette rauchen und dabei das Police Auto beobachten. Der Officer beobachtet mich auch und kommt zügig angefahren als ich die Zigarette gerade ausdrücke. Mit Taschenlampe in der Hand möchte er wissen was ich gerade geraucht habe und leuchtet in den Aschenbecher hinein. Sieht die Zigaretten und ist zufrieden. Ich schaue ihn nur groß an, kam mir aber wie ein Verbrecher vor. ( Bitte kein Kommentar)

Sonntag, ein weiterer Tag in Phoenix. Es geht zum Botanischen Garten und in den Papago Park. Wandern in der Natur und das mitten in der Stadt. Wir krabbeln die Felsen hinauf und hinunter. Später holen wir die Old Town in Scottsdale nach und "versacken" in einer Raucher Kneipe bei Amerikan Football.

Abends zurück zum Walmart wo wir die erste Nacht standen. Jetzt fragen wir auch hier und bekommen die Antwort, nicht erlaubt. Wir bleiben trotzdem stehen, gehen erst spät ins Bett um abzuwarten ob die Security kommt. Schlafen dann aber ungestört und haben auch kein schlechtes Gewissen.

Montag 8.00 Uhr, wir sind bei Fiat. Jetzt macht Fred der Service Mann ein Protokoll, geht damit ins Büro und fragt wohl den Chef.

Wir haben kein gutes Gefühl. Dann erklärt er uns das er ein europäisches Auto nicht reparieren kann, weil er nicht die entsprechende Software zum Auslesen des Fehlers hat. Wir müßten 6 Monate warten bis so ein PC da wäre. So ein Blödsinn. Ich komme mir veräppelt vor und habe eine dicke Krawatte. Gut das Silvia gelassen bleibt. Das hätte er uns auch am Freitag sagen können. Jetzt fahren wir ohne ABS, Hill Holder und ESC weiter. Geht zur Not auch. 

Phoenix kennen wir mittlerweile in und auswendig und wir machen uns auf dem Weg nach Tombstone. Dort erlernen wir das Schießen!!!

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Kommentare: 3
  • #1

    Herbert Holte (Donnerstag, 28 September 2017 17:30)

    Hallo ihr Beiden , was ihr da erlebt ist immer ein Erlebnis , man ist begeistert und leidet auch mit , bei den Fiat-Berichten . https://www.fiat-forum.de/
    Evtl. kann euch ein Fiat Forum helfen . Bei unserem Galaxy hab ich auch in einem Ford-Forum Hilfe bekommen , wobei "meine" Werkstatt "daneben" lag.....
    Wir wünschen euch noch viel Glück .
    Mit liebem Gruß
    Janni und Herbert
    P.S. Gehört zwar nicht hierhin , aber ich kann´s mir nicht verkneifen :
    Am 14.Sept.2017 sind wir zum 5.ten Mal Großeltern geworden von der Tochter aus Bottrop .
    Am 23.März 2017 hatte unsere Tochter aus Meiderich uns schon einen Enkel "geschenkt"

  • #2

    Judith Alda (Freitag, 29 September 2017 23:35)

    So tolle Bilder und Eindrücke wünsch euch weiter ganz viel Spass und freu mich schon auf den nächsten Eintrag.!!! Judith

  • #3

    Die "Asbergerinnen" (Sonntag, 01 Oktober 2017 18:42)

    Ihr Lieben, wie verfolgen weiter fasziniert Eure Reise, lachen über Eure Berichte und Erlebnisse. Die Fotos sagen mehr als alle Worte, unbeschreiblich , wie schön doch diese Welt ist. Wir sitzen mit offenem Mund vor dem Laptop, ich muss immer laut vorlesen und von Rosy höre ich dazwischen ein Ah...und Oh...und Wahnsinn. Es liest sich wie ein Abenteuerroman und dazwischen Fotos von Euch,( sogar Marita mit Hut / sie wehrt sich doch so), wo wir uns oft fragen,...wollen die denn überhaupt irgendwann zu uns zurück?? Wünschen Euch in der nächsten Fiat-Werkstatt mehr Glück, zur Not bewaffnet. Ihr könnt doch jetzt schießen!! Liebe Grüße vom "Asberg"